Alliierte sahen Nellius als Mitläufer

Nelliusstraße in Hachen
Nelliusstraße in Hachen
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„Nelliusstraße bleibt Nelliusstraße“ - So lautet das Motto der Bürgerinitiative Nelliusstraße Sundern-Hachen. Der Initiative gehören inzwischen etwa 50 Mitglieder an, die nahezu alle Anwohner der Nelliusstraße vertreten.

Hachen..  „Nelliusstraße bleibt Nelliusstraße“ - So lautet das Motto der Bürgerinitiative Nelliusstraße Sundern-Hachen. Der Initiative gehören inzwischen etwa 50 Mitglieder an, die nahezu alle Anwohner der Nelliusstraße vertreten. Zur Sicherheit sind schon einmal alle Häuser mit Straßenschildern ausgestattet. Als Sprecher fungieren Ulrich Lübke, Horst Kohlmann und Monika Müller.

1975 umbenannt

Eine Pressemitteilung informiert die BI, dass die Straße bis 1975 Christine-Koch-Straße hieß, sie wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung in NRW 1975 vom ersten Rat der Stadt Sundern unter Vorsitz von Bürgermeister Franz Josef Tigges in Nelliusstraße umbenannt. Nicht ohne Grund: Georg Nellius (1891-1952) war einer der größten Förderer von Christine Koch und damit der plattdeutschen Sprache des Sauerlandes. Die Sänger des MGV Eintracht Hachen und des MGV Cäcilia Sundern unter der Leitung von Clemens Tolle haben in den 1960-er Jahren mehrfach Bundespräsident Heinrich Lübke ein Geburtstagsständchen in Bonn gebracht. Sie sangen u.a. „Meyn Duarp“ (Text von Johann Anton Henke aus Frettermühle), „Hilleken, stilleken“ und „Vam häogen Astmerg“ (Texte von Christine Koch) in Sätzen von Georg Nellius.

„Der Stadtrat von 1975 war bestimmt nicht weniger klug als der von 2013, der wohl auf die einseitigen Informationen des bekennenden Linkskatholiken Peter Bürger und seine agitatorischen Absichten hereingefallen ist“, werten die BI-Sprecher die jüngste Entscheidung in Sundern. „Neu sind die Erkenntnisse von Herrn Bürger überhaupt nicht, neu ist nur, dass er aus entlegenen Archiven die schlimmsten Texte, die z. T. gar nicht von Nellius sind, in einem Internet-Auftritt gesammelt und ins Netz gestellt hat. Es verlangt schon Toleranz und genaue Kenntnis des damaligen totalitären Hitlersystems, um so etwas fair einzuordnen“, schreiben die Sprecher, die von Klaus Baulmann aus Sundern unterstützt werden.

Beurteilung heute und 1945

Und weiter heißt es: „Wenn man heute bei der Beurteilung von Verhaltensweisen in der schrecklichen Hitlerzeit den Maßstab des Grundgesetzes der Bundesrepublik von 1949 anlegt, kann man leicht die Nase rümpfen. Als bedeutender Musiker, der auf Öffentlichkeit angewiesen ist, musste Nellius 1937 unter Druck in die NSDAP eintreten, sonst hätte er z. B. nicht mit den Sauerländer Sängern in einem Sonderzug nach Breslau zum Deutschen Sängerbundesfest fahren können. Die Nationalsozialisten hatten viele Repressalien auf Lager wie z. B. Aufführungsverbot, Maßnahmen der Gestapo, Schutzhaft, Konzentrationslager oder gar erzwungenen Selbstmord.“

Zum Schluss hält Klaus Baulmann fest: „Georg Nellius hat jedenfalls niemandem bewusst geschadet, keinen Menschen denunziert und sich nicht bereichert, er wollte nur komponieren und singen. Mitgliedschaft in der NSDAP allein ist noch kein strafwürdiges Verbrechen. Knapp 7 Millionen NSDAP-Mitglieder wurden nach 1945 von den alliierten Besatzungsmächten entnazifiziert. Georg Nellius wurde mit 95 Prozent der Betroffenen unter die Entlasteten und Mitläufer (Gruppe 5 und 4) eingestuft. Er gehörte also nicht zu den 5 Prozent Hauptschuldigen (Gr. 1), zu den belasteten Aktivisten (Gr. 2) und den Minderbelasteten (Gr. 3).“

Keine rechtsradikalen Tendenzen

Und die Anlieger der Hachener Nelliusstraße heben nochmals deutlich hervor: „Wir weisen irgendeine Nähe zu rechtsradikalen Tendenzen entschieden zurück. Unsere Sympathien gelten den Parteien der demokratischen Mitte. Wir bitten alle Einwohner der Stadt Sundern mit allen ihren Ortsteilen, unser Bürgerbegehren zu unterstützen.“

 
 

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