Zwillinge mit zwei Kulturen

Drei Zwillinge auf einem Bild: Papa Ulrich Velling aus Niedersprockhövel ,it seinen dreijährigen Söhnen Melvin und Julian (re.).
Drei Zwillinge auf einem Bild: Papa Ulrich Velling aus Niedersprockhövel ,it seinen dreijährigen Söhnen Melvin und Julian (re.).
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
„Wir müssen zusammenhalten“, lauteten die Worte von Naciye an Ulrich Velling, als sie erfuhren, dass sie zwei Jungs bekommen – Zwillinge. Doch mit Zwillingen kennt sich Ulrich Velling aus, er ist selbst ein eineiiger Zwilling. Heute sind seine Söhne Julian und Melvin drei Jahre alt, laufen lachend herum und sind das größte Glück ihrer Eltern.

Sprockhövel.. „Wir müssen zusammenhalten“, lauteten die Worte von Naciye an Ulrich Velling, als sie erfuhren, dass sie zwei Jungs bekommen – Zwillinge. Doch mit Zwillingen kennt sich Ulrich Velling aus, er ist selbst ein eineiiger Zwilling. Heute sind seine Söhne Julian und Melvin drei Jahre alt, laufen lachend herum und sind das größte Glück ihrer Eltern.

Ihr Papa legt Wert darauf, dass sich die zwei unterscheiden dürfen, gleich angezogen werden sie nicht. „Zwillinge werden oft nur als Paar wahrgenommen, nicht als Individuum“, weiß er aus eigener Erfahrung. „In der Schule waren mein Bruder und ich einfach nur die Vellings. Da hat man aufgepasst, dass der andere keinen Unsinn macht, weil man sonst selbst mit herangezogen wurde.“ Früher war es Ulrich Velling unangenehm, als Zwilling ständig aufzufallen. „Mein Bruder Norbert und ich waren beide zurückhaltender“. Wenn er dann mal alleine die Straße entlang ging, kam es vor, dass ihn Menschen grüßten, die er gar nicht kannte, die ihn verwechselten. Als Zwanzigjährige haben er und sein Bruder sich einen Scherz mit ihren Freunden erlaubt. „Auf einer Fete sind wir rausgegangen, haben die Hemden gewechselt, sind wieder reingekommen und mein Bruder hat meine damalige Freundin auf den Schoß genommen.“ Irgendwann ist es den anderen aufgefallen. „Da haben sie komisch geguckt“, sagt Ulrich Velling lachend.

Mit seinem Bruder Norbert hat er auch heute noch eine enge Beziehung, obwohl der in Bayern wohnt. Doch von Geburt an waren sie immer zusammen – in der Schule, bis zum Beruf. Das war einerseits schön, andererseits hatte es später auch Nachteile. „Da ich immer schon jemanden an meiner Seite hatte, musste ich auch nie allein auf andere, neue Leute zugehen“, erklärt Ulrich Velling, „das war dann hinterher umso schwieriger.“

Aus diesem Grund sind seine Söhne Julian und Melvin in verschiedenen Kindergartengruppen. Später wahrscheinlich auch in verschiedenen Schulklassen. Im Moment lernen sie aber erst einmal Weihnachtslieder zu singen. Zwischendurch rufen sie etwas auf Türkisch. Die beiden wachsen zweisprachig auf. Mit der Mama sprechen sie Türkisch, mit dem Papa Deutsch. Das können die Kinder gut unterscheiden. Wenn Ulrich Velling statt „Auto“ das türkische Wort „araba“ sagt, besteht Melvin darauf: „Araba sagt nur Mama.“

Naciye Gülüm kam als Vierjährige aus der Türkei nach Deutschland. Das Paar lernte sich bei der Hattinger Hausaufgabenhilfe kennen, wo sie sich als Studenten beide etwas Geld dazuverdienten. Sowohl traditionelle deutsche als auch türkische Feste, wie das Zuckerfest, feiert die Familie. Ein Weihnachtsbaum steht erst im Wohnzimmer, seitdem die Kinder da sind. Naciye Gülüm: „Ich habe damals zu Ulrich gesagt, wenn du einen Tannenbaum möchtest, können wie einen aufstellen, doch er wollte das nicht unbedingt.“ Als dann die Kinder geboren wurden, mit Flasche in der Wiege lagen, war’s so weit. Seitdem funkelt auch ein Weihnachtsbaum im Haus. Ulrich Velling: „Weihnachten ist doch ein Fest für die Familie.“

 

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