Zwei Songs für die große Liebe

Rapper Mario Bierwirth
Rapper Mario Bierwirth
Foto: Jürgen Theobald
  • Mario Bierwirth produziert „Wohnzimmer-Rap“ über Sprockhövel und die TSG
  • Frankfurter Rapper brachte für ihn Musik und Fußball zusammen
  • Beruflich will der 24-Jährige als Hauptschullehrer aktiv werden

Sprockhövel..  Mittlerweile lebt und studiert Mario Bierwirth in Wuppertal: Doch Sprockhövel bleibt seine Heimat. Den Ort trägt er noch immer im Herzen. Ihm und einem Verein, der TSG, widmet der 24-jährige Rapper Worte und Rhythmus. Hörproben von „Du bist die Stadt“ und „Wenn Kalle in die Tröte bläst“ gibt’s im Netz auf der Musikplattform Soundcloud (barskeeper 91).

Bierwirths Texte drehen sich um die alten Flöze, den Zwiebelturm, um die Stimmung am Baumhof, wenn die Jungs von der TSG kicken. Da bleibt nur noch eins zu klären: Wer ist eigentlich Kalle? „Das ist Karl-Heinz Schreiner. Er ist ,der Fan’ der TSG und immer engagiert am Tröten“, klärt Mario Bierwirth auf.

Mit der Liebe zum Fußball fing auch alles an. Seine Jugend verbrachte Bierwirth zwar am Baumhof. Und der TSG-Song entstand mit Blick auf die Zwiebelturmkirche. Sein Herz schlägt jedoch für den Traditionsverein 1860 München. „Und da geht es halt eher abwärts als aufwärts“, erzählt der 24-Jährige. „Es gibt viel zu kritisieren.“

Die Kritik verpackt er in seinen Songs, unterlegt die Texte mit einem Beat und konserviert sie auf dem Rechner. „Das erste Mal nahm ich etwas vor einigen Jahren auf, mit einem integrierten PC-Mikro.“ Die Qualität ließ freilich zu wünschen übrig. Doch darum ging es Bierwirth auch nie. „Ich kriege die Leute durch die Texte, egal ob bei 1860 oder in Sprockhövel.“

Sein Aufnahmeequipment hat sich daher bis heute kaum verändert: Ein alter Laptop, freie Beats, ein solides Mikrofon. „Das ist halt alles Wohnzimmer-Rap“, sagt Bierwirth. Doch die Ergebnisse können sich durchaus hören lassen.

Das Bindeglied zwischen Musik und Fußball war für ihn Vega, ein Frankfurter Rapper. Bierwirth stand auf seine Zeilen über bunte Fahnenmeere und lautstarke Fangesänge. Und wagte selbst endlich die ersten Gehversuche. „Das wollte ich schon immer mal machen, und Vega lieferte mir mein erstes Thema.“ Doch ist das nur die eine Seite von Vegas Musik. „Er hat eine Gewaltvergangenheit gehabt und stellt das auch in seinen Songs dar“, erzählt Bierwirth. „Als Jugendlicher war es spannend, das zu hören, aber inhaltlich habe ich es nie unterstützt.“

Schnell sind hier Parallelen zur Ultra-Bewegung gezogen. „Ein Thema, das von außen immer kritisch betrachtet wird“, erklärt Bierwirth, der sich nicht zur Bewegung zählt, aber einige ihrer kritischen Ansätze teilt. Gerade bei seinem Verein. Es stimme zwar: „Es gibt Gewalt, aber nicht alle Ultras sind gewaltbereit.“ Mittlerweile sei er von Vega ab. Es sei inhaltlich seit Jahren dasselbe. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass Rapper oft einen Stempel aufgedrückt bekommen. Doch auf die gängigen Klischees verzichtet er, kommt sympathisch, wenig rüpelhaft und bescheiden rüber. Was ihn an Rap fasziniert: „In keiner anderen Musikrichtung kann man sich so gut Sachen von der Seele schreiben.“ Sie habe ihn ins Studium geführt – Deutsch und Erdkunde. „Schon als Schüler habe ich gerne Gedichte analysiert, obwohl ich darin nie gut war“, sagt er. Unterrichten möchte er an einer Hauptschule: „Goethe und Schiller sind nicht die Sprache, die Hauptschüler nutzen. Und ich hoffe, dass ich sie über die Musik erreichen kann.“

 

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