Zurück nach Palästina

Hanna Neuhaus verabschiedet sich nach dem Entsdendegottesdienst in der Zwiebelturmkirche in Niedersprockhövel von ihrer Heimat und geht für ein freiwilliges soziales Jahr an eine Schule im Westjordanland.
Hanna Neuhaus verabschiedet sich nach dem Entsdendegottesdienst in der Zwiebelturmkirche in Niedersprockhövel von ihrer Heimat und geht für ein freiwilliges soziales Jahr an eine Schule im Westjordanland.
Foto: WAZ FotoPool

Sprockhövel. Hanna Neuhaus (19) macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Westjordanland. Eine Woche war sie bereits in der Region.

Die 19-jährige Abiturientin Hanna Neuhaus steht vor einem Abenteuer: Sie geht im Freiwilligen Sozialen Jahr ins Westjordanland.

„Ich wollte sowieso nach der Schule ins Ausland“, sagt Hanna Neuhaus, die im vergangenen Sommer ihr Abitur am Gymnasium Holthausen gemacht hat. Aber warum gerade nach Palästina? Es war keine leichtfertige Entscheidung, die Hanna Neuhaus getroffen hat. Sie basierte auf Erfahrung: 2008 nahm Hanna Neuhaus am Projekt „Peace in music“ teil, bei dem sich junge Musiker aus Israel, Palästina, Deutschland und Belgien im Nahen Osten zum gemeinsamen Musizieren trafen. Eine Woche war Hanna Neuhaus damals dort, drei Tage Israel, drei Palästina, ein Tag in Jerusalem. Sie hat also beide Seiten des israelisch-palästinensischen Konflikts kennen gelernt.

Geprägt hat sie die Zeit bei der palästinensischen Gastfamilie: „Es ging ihnen wirklich schlecht. Zum Beispiel gab es pro Monat nur eine bestimmte Menge frisches Wasser, mit der sie kochen, putzen und duschen mussten. Es war dramatisch.“ Und trotzdem hat sie sich wohlgefühlt in Palästina: „Die Familie war unheimlich offenherzig“, sagt Hanna Neuhaus. Das alles hat Eindruck hinterlassen. „Ich dachte immer: Da muss man doch was machen.“

Dann stieß Neuhaus auf ein Projekt des Berliner Missionswerkes: „Rosemarie zur Nieden hat mich darauf aufmerksam gemacht“, sagt sie. Der Tipp der ehemaligen Pfarrerin, die selbst regelmäßig nach Palästina reist: Talitha Kumi („Mädchen steh’ auf!“), eine Schule im Westjordanland im Städtchen Beit Jala nahe Bethlehem. Seit 1975 ist das Berliner Missionswerk der Träger der Schule, 850 muslimische und christliche Schüler besuchen hier Kindergarten, Schule oder Hotelfachschule. Alles auf einem Gelände. Die Kinder lernen ab der dritten Klasse Deutsch, und Englisch sei die Unterrichtssprache, sagt Hanna Neuhaus. „Sie können dort ein deutsches Abitur machen, der Abschluss ist international anerkannt.“ Die Schule solle aber eigentlich auch einen versöhnlichen Effekt haben, sagt Neuhaus. „Sie ist von beiden Seiten aus begehbar, von Israel und Palästina. Aber leider wird das von den Israelis nicht so angenommen.“

Nach der erfolgreichen Bewerbung beim Missionswerk steht die Abreise bevor: Am Sonntag nahm Hanna Neuhaus von ihrer Heimatgemeinde in einem Entsendegottesdienst Abschied, danach von ihren Freunden.

Los geht die Reise am kommenden Samstag. Aufgeregt sei sie noch nicht, sagt Hanna Neuhaus. „Im Moment frage ich mich eher: Was nehme ich mit, was lasse ich hier.“ Die Aufregung dürfte aber wohl mit jedem Tag, den die Abreise näher rückt, steigen. Denn auch wenn Hanna Neuhaus Palästina schon kennt: Was in Beit Jala auf sie zukommt, darüber ist sie sich noch nicht ganz klar. „Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommt. Ich spiele ja Oboe und nehme an, dass ich das auch bei den Mitgliedern des Schulorchesters unterrichten soll.“ Sprachprobleme erwartet Hanna Neuhaus zwar nicht, weil die Kinder ja bereits in Englisch und Deutsch unterrichtet werden, aber auch sie hat sich vorbereitet: „Ich habe schon ein paar Worte Arabisch aus dem Wörterbuch gelernt.“ Vor Ort soll dann ein Sprachkurs zu fließendem Arabisch verhelfen.

 
 

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