Weihnachten als menschliches Bedürfnis

Armin Schreiner ist Mitglied des Humanistischen Verbandes Deutschlands.
Armin Schreiner ist Mitglied des Humanistischen Verbandes Deutschlands.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Menschen feiern ein christliches Fest, obwohl viele Abstand nehmen vom Glauben. Im Interview erklärt Agnostiker Armin Schreiner, wie er mit diesen Feiertagen umgeht.

Am heutigen 24. Dezember feiern Christen Jesu Geburt. Und obwohl 34 Prozent der Deutschen konfessionslos sind, feiern auch sie. Der Sprockhöveler Mikrobiologe und Agnostiker Armin Schreiner (47) ist einer von ihnen. Mit Volontärin Kristina Gerstenmaier sprach er über seine Art, Weihnachten zu begehen.

Herr Schreiner, Sie sind schwarz gekleidet, wo kommen Sie gerade her?

Armin Schreiner: Ich war gerade bei einer weltlichen Trauerfeier. Seit knapp zwei Jahren bin ich Mitglied im Humanistischen Verband Deutschlands und in diesem Rahmen als Feiersprecher tätig.

Weihnachten ist ein Fest, das natürlich sehr religiös geprägt ist – wie feiern Sie?

Ich feiere nicht Weihnachten, ich feiere an Weihnachten. Der Feier an sich kann man sich nicht entziehen, und das Feiern selbst ist ja auch etwas Schönes. Der Humanismus stellt doch den Menschen in den Mittelpunkt und wenn der Mensch das gerne hat, sind wir Humanisten die Letzten, die darauf keine Rücksicht nehmen. Gerade in dieser dunklen Jahreszeit ist das Feiern mit Kerzen und Beisammensein ein Ausdruck eines tiefen mensch­lichen Bedürfnisses – dem seit Menschengedenken nachgekommen wird.

Also alles gut, so wie es ist mit dem Fest?

Nein, Weihnachten ist ein Stütz­pfeiler des christlichen Tendenzstaates in Deutschland, der überkommenen Glaubensvorstellungen weiterhin große Aufmerksamkeit sichert. Man müsste sich also von den christlichen Einflüssen, insbesondere den Symbolen entfernen. Dem Gemarterten, der Krippe, den Engeln. Übersinnliches kommt bei mir sowieso nicht ins Haus, ich lebe im Hier und Jetzt. Ich werde also die Dinge in den Vordergrund rücken, die betonen, dass es noch eine andere, eine humanistische Feierkultur gibt, bei der eben Werte wie die Kulturvermittlung und das Beisammensein im Mittelpunkt stehen. Abzulehnen ist außerdem die Kommerzialisierung dieses Festes, da sie von wirtschaftlichen Interessen gelenkt wird. Ich bezweifle, dass dieses schnelle Kaufen und Schenken die Menschen wirklich zufriedenstellt. Genauso wie ich bezweifle, dass diese Feier, wird sie auf christliche Weise begangen, zufriedenstellend ist.

Welche Werte wären denn zufriedenstellender?

Wir Humanisten berufen uns auf die Werte der Aufklärung: Gleich­berechtigung, Gewaltenteilung, Toleranz. Die Katholische Kirche erkennt diese Werte nicht an, ein Beispiel sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Besser als die christlich vereinnahmte Nächstenliebe verdeutlicht der Begriff Fernstenliebe den humanistischen Kernwert, denn er steht für die Liebe und die Rechte aller Menschen. Also: Weltfrieden und zufriedene Menschen, die die Menschenrechte achten. Das sind die Werte, auf die man sich auch, oder gerade zu diesem Fest besinnen sollte.

Wie sehen die Weihnachtstage dann konkret bei Ihnen aus?

Am 19. Dezember gab es vom Humanistischen Verband in Dortmund ein Winterfest mit Zusammensitzen, Kaffee und Kuchen. Das wird anlässlich der Wintersonnenwende und zum Jahresabschluss gefeiert. Am 24. bin ich dann mit meiner Frau und einer Bekannten bei meinem Vater eingeladen. Er kocht Muscheln in Rotweinsoße, das gab es seit meiner Kindheit immer zur Winterzeit. Am ersten Feiertag kommen dann meine Schwiegereltern, Schwägerin und Schwager mit ihren beiden Kindern zu uns. Wir beschenken uns auch, aber es bleibt, sage ich mal, im Rahmen. Es wird ein wenig mit Tannengrün und Kerzen geschmückt sein. Aber christliche Symbole oder auch Lieder werden Sie bei uns vergeblich suchen.

 
 

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