Toleranz gegenüber Sexualität

Als erste Schule in Westfalen wurde die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises mit dem Siegel „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet.
Als erste Schule in Westfalen wurde die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises mit dem Siegel „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet.
Foto: WAZ FotoPool
Eine Flagge in Regenbogenfarben wehte auf dem Schulgelände, und nahezu die ganze Wilhelm-Kraft-Gesamtschule war gestern auf den Beinen: Schüler und Lehrer hatten den Schultag quasi zum „Projekttag“ erklärt. Die Kreis-Gesamtschule feierte ihr 25-jähriges Bestehen. Zudem wurde die Bildungseinrichtung als erste im Bereich Westfalen mit dem Siegel „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet.

Eine Flagge in Regenbogenfarben wehte auf dem Schulgelände, und nahezu die ganze Wilhelm-Kraft-Gesamtschule war gestern auf den Beinen: Schüler und Lehrer hatten den Schultag quasi zum „Projekttag“ erklärt. Die Kreis-Gesamtschule feierte ihr 25-jähriges Bestehen. Zudem wurde die Bildungseinrichtung als erste im Bereich Westfalen mit dem Siegel „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet.

Dass es notwendig war, sich aktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, das aktuell die Gesellschaft polarisiert, zeigen die Erfahrungen zweier Schülerinnen: „Es gibt auch an unserer Schule Mitschüler, die sich nicht mehr getraut haben, zum Unterricht zu kommen!“, waren Nicole (15) und Jana (14) betroffen von den Vorgängen an der eigenen Schule.

Zwar ging es in vielen Projekten der letzten Jahren um Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen, mit anderen Religionen, anderer Hautfarbe. Zum Schulfest aber setzten Schüler und Lehrer einen anderen Schwerpunkt. Es geht um eine tolerante Haltung gegenüber Homo- und transsexuellen Schülerinnen und Schülern. Marta Grabski und Markus Chiemlorz von der Beratungsstelle „Rosa Strippe“ für Schwule und Lesben in Bochum hatten ein halbes Jahr lang einmal im Monat mit einer Schülerarbeitsgruppe zum Thema „Homophobie“ gearbeitet. Aktionen wurden geplant und es wurde überlegt, wie man Betroffenen helfen könne, sich mit ihrer sexuellen Orientierung im Schulleben wohl zu fühlen. Wie man ein Klima der Sicherheit und Akzeptanz schaffen könne, wurde auch in der Lehrerschaft diskutiert, nachdem der Schülersprecher im Rahmen einer Konferenz auf die Problematik aufmerksam gemacht hatte.

Als Zeichen von Solidarität und Ausdruck eines engagierten Einsatzes für ein respektvolles Miteinander ließen die Schüler in einer Gemeinschaftsaktion mehr als 200 bunte Ballons mit Karten in den blauen Spätsommerhimmel steigen, auf die Bekenntnisse zur Homosexualität gedruckt waren. Schulleiter Christoph Uessem war begeistert von den vielen Aktionen zum Thema. „Eine solche Aktion hätte mir damals sehr geholfen!“, zitierte er einen ehemaligen Abiturienten, der sich heute noch nicht ohne Bitterkeit an das Schattendasein erinnert, das er als Schwuler seinerzeit führen musste.

Beim Festakt im bis auf den letzten Platz gefüllten Forum ließ Uessem die Schulgeschichte Revue passieren und würdigte die Leistungen seiner Vorgängerinnen. Stolz sei man heute auf das pädagogische Konzept, weil die Schule insbesondere in den Anfängen schweren Anfeindungen ausgesetzt war. Viele Eltern hätten gerne am dreigliedrigen Schulsystem herkömmlicher Art festgehalten. Nachdem der EN-Kreis dem Willen zahlreicher Eltern dann doch entsprochen hatte, wurde die Schule 1987 in der ehemaligen Hauptschule eröffnet. Sukzessive wurde der kleine Schultrakt A entlang der Geschwister-Scholl-Straße erweitert: Weitere Gebäude, das Forum, die Sporthalle und ein neuer Verwaltungstrakt wurden errichtet: „Eigentlich ist das Gelände hier schon fast zu klein...“ überlegte Schulleiter Uessem laut. Die Auszeichnung als „Schule der Vielfalt“ setze einen großartigen Akzent. Die habe den wertschätzenden und achtungsvollen Umgang mit Minderheiten in ihr Leitbild geschrieben.

 
 

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