Sprockhöveler Gemeinde gewährt Syrer Kirchenasyl

Im Bild, v.l.: Pfarrer Michael Helmert, Pfarrer Thomas Bracht, Miriam Venn (Flüchtlingshilfe Sprockhövel) und Harald Bertermann (Öffentlichkeitsreferent Evangelischer Kirchenkreis Schwelm).
Im Bild, v.l.: Pfarrer Michael Helmert, Pfarrer Thomas Bracht, Miriam Venn (Flüchtlingshilfe Sprockhövel) und Harald Bertermann (Öffentlichkeitsreferent Evangelischer Kirchenkreis Schwelm).
Foto: Funke Foto Services
Ein Flüchtling hätte nach Italien abgeschoben werden sollen. Die Flüchtlingshilfe beanstandete Verfahrensfehler und bat um Kirchenasyl für den Syrer.

Sprockhövel. In der Nacht auf Montag hätte ein syrischer Flüchtling abgeschoben werden sollen. Die evangelische Gemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede verhinderte dies und gewährt ihm Kirchenasyl. Am Dienstag begründeten die Pfarrer Helmert und Bracht, Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe sowie Harald Bertermann – Öffentlichkeitsreferent des Kirchenkreises Schwelm – im Martin-Luther-Haus ihre Entscheidung.

„Die Flüchtlingshilfe bat Anfang des Monats um Kirchenasyl für den Syrer“, sagte Thomas Bracht. Nach der Reglung des Dublin-Abkommens – Flüchtlinge werden in das Land abgeschoben, in dem sie erstmalig in Europa registriert wurden – drohte dem 26-Jährigen die Abschiebung nach Italien. „Doch eine menschenwürdige Unterbringung wäre dort nicht gewährleistet gewesen.“ Die Flüchtlingshilfe machte geltend, dass im betreffenden Fall Verfahrensrechte verletzt wurden.

Keinen Bescheid erhalten

Der Flüchtling habe keinen Bescheid über diese Rückführung zugesandt bekommen. „Seine einzige Möglichkeit, gegen das Verfahren vorzugehen, wäre dieser Bescheid gewesen“, sagte Venn. Stattdessen kam am 2. September direkt ein Schrieb mit dem Ausreisetermin.

Einen Tag später knüpfte sie Kontakte zur Gemeinde und bat für den Mann um Asyl. Am Sonntag stimmte das Presbyterium auf einer Sondersitzung der Anfrage zu, um Zeit für ein rechtmäßiges Verfahren zu gewinnen. Zeit ist aus zweierlei Gründen wichtig. „Mitte September läuft seine Überstellungsfrist aus“, sagte Venn. Ist er zu diesem Stichtag nicht in Italien, muss Deutschland den Asylantrag weiter bearbeiten. Warum es überhaupt so weit kommen musste, stellt die Anwesenden vor ein Rätsel. Denn seit Ende August gibt es die Leitempfehlung, das Dublin-Verfahren für Syrer auszusetzen.

Dazu kommt, dass sich der Flüchtling, dessen richtiger Name und aktueller Aufenthaltsort – den er nicht verlassen darf – zu seiner Sicherheit unter Verschluss gehalten wird, sich vom ersten Tag an um seine Integration bemühte.

Jurastudent floh vor Islamischem Staat

Der 26-Jährige studierte Jura in seiner Heimat. Er flüchtete vor dem Terror des Islamischen Staats im Oktober 2014 nach Deutschland und kam im November nach Sprockhövel. Er ist ledig, ließ seine Familie zurück in Syrien und hofft, sie irgendwann nachholen zu können. Kaum in Deutschland angekommen, besuchte er Sprachkurse, treibt Vereinssport und hat sich für Gasthörerprogramme an Universitäten beworben. Regelmäßig trifft er sich auch mit deutschen Freunden und Paten.

Kirchenasyl heißt nicht zwingend, dass er in einer Kirche untergebracht ist. Die Gemeinde kommt aber für seine Unterbringung auf, die staatlichen Leistungen sind eingestellt.

 
 

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