Rayyan fühlt sich am Börgersbruch pudelwohl

Nicolas (9) und Rayyan (10).
Nicolas (9) und Rayyan (10).
Foto: Funke Service
Das zehn Jahre alte Flüchtlingsmädchen geht in die vierte Klasse und lernt schnell die deutsche Sprache.Unterstützung gibt es von den Klassenkameraden, die ihr dabei spielerisch helfen.

Sprockhövel.  Seit ein paar Wochen besucht Rayyan die vierte Klasse am Börgersbruch. Heute auf dem Programm: Verben pauken. Denn obwohl das kleine Mädchen schon ziemlich gut Deutsch spricht, ist es für sie noch immer eine völlig fremde ­Sprache. „Doch das Lernen ist gar nicht schwierig“, sagt sie selbstbewusst.

Rayyan ist zehn Jahre alt, kommt aus Syrien und ist ein Flüchtlingskind. Ihre Familie ließ den Krieg hinter sich und hat in Sprockhövel ein neues Zuhause gefunden. Rayyan, die seit September an der Grundschule unterrichtet wird, ­bekam inzwischen auch familiäre Verstärkung durch ihre kleine Schwester Bisan.

Kontakt knüpfen über Origami

Die kleinere der beiden Schwestern muss sich an der neuen Schule erst noch einleben. Dass Rayyan mit dabei ist, gibt ihr Sicherheit. ­„Kontakt zu ihr knüpfen wir über Origami, was sie liebt“, sagt Lehrerin ­Bärbel Lingenauer. Doch der Unterricht darf bei aller Faltkunst natürlich nicht zu kurz kommen.

Und dabei greift die Lehrerin auf die Unterstützung ihrer anderen Schüler zurück. „Jeden Tag übt Rayyan zehn Minuten mit einem Schüler zusammen.“ Mit Nicolas sind es dieses Mal die Verben. Und als letztens Oriana mal mitgeholfen hat, zeigten die Schüler ihrer neuen Klassenkameradin kleine Kärtchen mit Bildern. Rayyan musste dazu das passende Wort finden. „Dann werden die Karten sortiert. Auf einen Stapel kommen die Kärtchen, die Rayyan schon kann, und auf einen Stapel kommen die, die sie noch nicht kann.“ Das gemeinsame Lernen scheint sich auszuzahlen. Rayyan schreibt schon eigene Texte und versteht immer mehr. „Sie ist richtig motiviert“, sagt die Lehrerin.

Bisan fängt gerade erst an, die Sprache zu lernen. „Sie lernt gerade die ersten Buch­staben.“ Und falls die Verständigung mit ihr doch mal hakt, eilt ihre große Schwester herbei und übersetzt.

Dass die Klassenlehrerin ihre ­Schüler als Nachhilfelehrer mit ­einbindet, tut nicht nur der Klas­sengemeinschaft gut. Sie sind auch eine große Hilfe bei der täglichen Arbeit mit den beiden jungen Mädchen. „Das kann eine Lehrerin alleine gar nicht schaffen, da müssen die Kinder mit ins Boot.“ Das sei zumindest ihre Einstellung.

Mitschüler sind begeistert

Und schon vorher, als es sich ­abzeichnete, dass bald ein ­Flüchtlingskind die Klassen­gemeinschaft verstärkt, holte Bärbel Lingenauer die Meinung ihrer Schützlinge ein. „Ich frage meine Schüler immer, ob das für sie in Ordnung geht.“

Die waren sofort Feuer und Flamme. „Wir haben ja auch im Unterricht besprochen, was dort im Land von Rayyan und Bisan passiert, und warum sie nach Deutschland gekommen sind“, erzählt Nicolas. „Es ist ein trauriger Grund.“

 
 

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