Prosa und Gedichte als Ansichtssache

Zum Nachdenken regt Andrea Kriegerst Text an. Sie las im Buchladen an der Hauptstraße für die Autorengruppe Wortwechsel.
Zum Nachdenken regt Andrea Kriegerst Text an. Sie las im Buchladen an der Hauptstraße für die Autorengruppe Wortwechsel.
Foto: FUNKE Foto Services
30 Gäste lassen sich im Buchladen von Bildern und Texten zum Nachdenken anregen

Auf einem dunkelgrünen Sessel, leicht erhöht, nahmen die wortgewandten Damen der Hattinger Autorengruppe Wortwechsel am Samstag im Buchladen an der Hauptstraße Platz. Etwa 30 Gäste lauschten in gemütlicher Atmosphäre bei Kerzenlicht und Knabbereien Prosatexten und Gedichten. „Im September war ich bei einer Lesung im Stadtmuseum, die hat mir so gut gefallen, dass ich so etwas auch einmal in meinem Laden haben wollte“, berichtet Inhaberin Helga Schulz. Sie freut sich über die vielen Besucher.

Inspirieren lassen haben sich die Autorinnen von den Bildern der Bochumer Künstlerin Silvia Szlapka. „Ich habe früher regelmäßig Lesungen in Silvias Atelier gemacht“, erklärt Begründerin Eveline Rabczynski. Auf einer ausgeleuchteten Leinwand wurden Kunstwerke und Grundlage der Texte drapiert.

Aus einem Bild mit zahlreichen kreuz und quer ins Nirgendwo laufenden Treppen entstand die Geschichte von Henry, einem knapp 40 Jahre alten Mann, den trotz Eigentumswohnung und gutem Job eine innere Leere plagt. Obwohl das Leben doch, wie er nach skurrilen Ereignissen und Zusammenstößen mit dem Treppenbild feststellen muss, voller Möglichkeiten steckt. Autorin Andrea Krieger erntet Applaus für ihren Text, der zum Nachdenken anregt. Nach den Gedichten zum Kunstwerk werden die unterschiedlichen Assoziationen deutlich. Der Nachmittag stand schließlich auch unter dem Motto „Ansichtssache“.

Häufig fließen autobiografische Erfahrungen in Texte ein. Eine Kurzgeschichte von Sonja Koch, die sich mit dem Schritt vom Leben in den Tod befasst, ließ das Publikum nachdenklich werden. Beschrieben werden die Gedanken einer im Sterben liegenden Frau, die zurückblickt auf die Stufen des Lebens, die sie nicht immer dahin geführt haben wohin sie wollte. Es gab dennoch immer ein Ziel. „Niemand konnte je darüber berichten, was er in seinen letzten Minuten gedacht hat, trotzdem bin ich mir sicher, dass es in etwa so sein könnte“, flüstert eine Frau ihrer Sitznachbarin zu. „Man muss im Leben öfter die Perspektive wechseln“, sagt Helga Haas – und dreht das Bild auf der Staffelei auf den Kopf.

 
 

EURE FAVORITEN