„Piraten“ wollen EN-Kreis entern

Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach diskutierten 1250 Mitglieder zwei Tage lang neue Schwerpunkte in ihrer Netzpolitik.
Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach diskutierten 1250 Mitglieder zwei Tage lang neue Schwerpunkte in ihrer Netzpolitik.
Foto: dapd
Nach ihrem Einzug ins Berliner Parlament ist sie in aller Munde. Plötzlich bewegt sich die Partei nicht mehr in der virtuellen Realität, sonder im politischen Alltagsleben. Bei kommenden Wahlen wollen sie auch den EN-Kreis entern und auf kommunaler Ebene in den Städten kandidieren

Sprockhövel.. Nach ihrem Einzug ins Berliner Parlament ist sie in aller Munde. Plötzlich bewegt sich die Partei nicht mehr in der virtuellen Realität, sonder im politischen Alltagsleben. Bei kommenden Wahlen wollen sie auch den EN-Kreis entern und auf kommunaler Ebene in den Städten kandidieren.

Der „Büropirat“ Benjamin Ruba übernimmt dafür die Organisation und ist Ansprechpartner. „Die Organisationsstruktur kommt dem eines Kreisverbands recht nah“, Alexander Reintzsch (32), Geschäftsführer der Piraten in Nordrhein-Westfalen, beschäftigt in der IT-Branche, der sich zusammen mit dem Design-Studenten und Parteimitglied Patrick Rückheim (22) zu einem Gespräch mit der Sprockhöveler Zeitung traf.

In Städten – oder auch noch am Rand des Ruhrgebiets, wie dem Südkreis, hofft man besser anzukommen als im Sauerland. „Auch ein Büro vor Ort haben wir nicht, vieles läuft telefonisch oder über das Netz“, so Reintzsch. Berufspolitiker soll weder auf Kreis - oder Landesebene geben. „Von Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen werden wir uns aber entsprechend Hilfe einkaufen, wie eine Bürokraft.“

Das haben die Piraten auf dem Landesparteitag in Soest festgelegt. Auf dem Bundesparteitag in Offenbach legten die Piraten ihre politische Richtung fest. Doch die junge Partei muss sich zahlreichen Kritikern stellen. „Wir haben dazu klar Stellung bezogen und distanzieren uns von rechten Ideologien und extremen Religionen – worauf dieser Punkt ja abzielt“, sagt Reintzsch. Und auch den Kritikpunkt der fehlenden politischen Bildung, oft salopp als Planlosigkeit der Piraten bezeichnet, könne er so nicht stehenlassen.

Seit dem Fauxpas des Piraten Andreas Baum, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, hat die Partei damit zu kämpfen. Baum lag bei der Benennung von Berlins Schulden weit daneben. Dabei sei genau das ein gutes Beispiel dafür, wie die Partei arbeitet, findet Alexander Reintzsch.

„Wenn wir etwas nicht wissen, wissen wir, wo es steht“, meint Reintzsch. Und so dauerte es nicht lange, bis die Piraten eine App – ein Programm oder eine Anwendung (engl.: Application, kurz: App; meist für Smartphones) – rausbrachten, die Berlins Schuldenstand auf Heller und Pfennig genau anzeigte, jederzeit und überall

In NRW gibt es um die 3000 Piraten, 20 000 deutschlandweit, Tendenz steigend. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es um die 80 und in Sprockhövel sechs Mitglieder. Interesse bei den Menschen weckt vor allem ein Punkt, ein Alleinstellungsmerkmal der Piraten. „Wir fordern mehr Transparenz in der Politik“, so Patrick Rückheim. Er nennt Beispiele: „Die Piraten lassen Bürger an ihren politischen Lernprozessen teilhaben, Vorschläge können und sollen diskutiert werden, auch Einfluss kann genommen werden. Infoveranstaltungen finden auch außerhalb der Wahlen statt, wie erst letztens in Gevelsberg, Stammtische gibt es regelmäßig. Da kommen auch normale Besucher vorbei, die sich das mal anschauen wollen.“ Diese Transparenz sei auch ein Kontrollmittel. „Wer Transparenz aufgibt, kriegt was auf die Finger geklopft.“ Gerade dieser Transparenzgedanke komme bei einer breiteren Masse an, und nicht nur bei der junge n Internetgeneration. „Auch ältere Semester kommen auf uns zu und sprechen ihr Lob aus“, erzählt Rückheim.

 
 

EURE FAVORITEN