Patenschaft als Gegenpol zur Unwissenheit

Der Sprockhöveler Yorck Alexander Theis (24, re.) hat die Patenschaft für den aus Syrien stammenden Flüchtling Shiyan Hannan (22) übernommen.
Der Sprockhöveler Yorck Alexander Theis (24, re.) hat die Patenschaft für den aus Syrien stammenden Flüchtling Shiyan Hannan (22) übernommen.
Foto: Funke Foto Services
Am morgigen Sonntag ist der Internationale Tag der menschlichen Solidarität: Student Yorck Alexander Theis ist Pate des jungen Flüchtlings Shiyan Hannan aus Syrien.

Sprockhövel.  Es war eine spontane Idee, dass sich der Sprockhöveler Student Yorck Alexander Theis ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen wollte. „Ich habe mich oft über das Unwissen und über die unbegründeten Ängste der anderen aufgeregt, sobald es um Flüchtlinge ging, und wollte dazu einen Gegenpol bilden.“

Ihm schwebte vor, bei der Kleiderkammer zu helfen. Oder an der Essenausgabe zu stehen. Entsprechende Kontakte waren schnell geknüpft. Der Haken: Die Teams der Kleiderkammer und der Essenausgabe brauchten keine Verstärkung. „Mir wurde dann vorgeschlagen, die Patenschaft für einen Flüchtling zu übernehmen“, erinnert sich der 24-Jährige. „Ich war da gerade anfangs etwas skeptisch.“ Binde er sich da nicht zu viel ans Bein? Passt das zeitlich alles? Doch er sagte zu.

Theis wurde Pate von Shiyan Hannan (22), einem jungen Syrer, der bereits im September 2013 seine Heimat verließ, über die Türkei flüchtete, dort anderthalb Jahre lebte, bevor er vor wenigen Monaten in Deutschland ankam. „Wir lernten uns dann Mitte September kennen“, erzählt Theis weiter. Und seitdem treffen sie sich regelmäßig. „Dabei helfe ich Shiyan, dass er hier ein selbstbestimmtes Leben führen kann.“ Heißt im Klartext: Die beiden kämpfen sich durch Dokumente und erledigen Behördengänge. Manchmal sei das eine ziemliche Rennerei. „Wir haben uns aber auch um Bewerbungsfotos gekümmert und einen Lebenslauf aufgesetzt.“ Ganz alleine werden sie dabei aber nicht gelassen. Ein Sprockhöveler Fotostudio half bei den Bewerbungsbildern. „Und es gibt hilfsbereite Menschen, die uns bei Shiyans Lebenslauf unterstützt haben.“

Die Patenschaft zwischen Theis und Hannan hat sich durchaus zu einer Freundschaft weiterentwickelt. Schon beim ersten Kennenlernen entdeckten sie eine gemeinsame Leidenschaft: die Musik.

Musik als gemeinsame Sprache

Wenn es bei der Sprache auch noch hapert – manchmal brauche es noch ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch, Händen und Füßen, um sich zu verständigen –, hier verstanden sich die beiden auf Anhieb. „Und nach einem gemeinsamen Grillabend, auf dem gemeinsam musiziert wurde, habe ich mal geschaut, wo sich Shiyan einbringen kann.“

Aus einer ersten Idee entstanden gleich mehrere Konzerte in Cafés und Bürgerzentren. Yorck Alexander Theis ließ sich keins davon entgehen. „Das haben wir vor einigen Tagen dann auch mal umgedreht“, erzählt Theis. Er habe auf dem Konzert der Musikschule in der Zwiebelturmkirche gespielt. Und Shiyan Hannan saß im Publikum.

Die Patenschaft zwischen den beiden wird aber wohl zeitlich begrenzt sein. Shiyan zieht es nach Köln. „In etwa zwei Monaten möchte ich dorthin ziehen“, sagt er. Seine große Liebe lebt dort. Der Umzug sollte sogar recht problemlos funktionieren. Sein Asylverfahren geht zügig voran. Und seinen Integrationskurs kann er auch in Köln fortsetzen. „Das haben die wirklich gut gemacht“, sagt Theis. „Der Kurs ist modular aufgebaut.“ Yorck Alexander Theis ist von der Idee, die Patenschaft übernommen zu haben, nach wie vor begeistert. Auch wenn die Arbeit doch zeitintensiver ist, als anfangs gedacht. „Aber es ist ein Art Voneinander-Lernen.“ Das gefalle ihm sehr gut.

 
 

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