Nachteile in der Not

Befürchtet negative Auswirkungen für die Patienten: Dr. Roland Sorgenicht.
Befürchtet negative Auswirkungen für die Patienten: Dr. Roland Sorgenicht.
Foto: WAZ

Sprockhövel.. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe plant eine Neuorganisation der Notdienste. Dr. Roland Sorgenicht, Moderator des Qualitätszirkels der Sprockhöveler Hausärzte, befürchtet negative Auswirkungen.

Vorgesehen ist die Neugliederung der Notdienst-Bezirke ab dem 1. Februar kommenden Jahres. Aus 180 Bezirken werden dann im Gebiet der KV rund 30. Sprockhövel wird dem Gebiet Hagen/Hattingen/Schwelm/Witten zugehören, in diesen Orten werden auch die Notdienste geleistet. Die Koordination soll zentral in Duisburg stattfinden, ein Fahrdienst soll die Ärzte in Notfällen zum Patienten bringen, wenn dieser nicht zum Arzt kommen kann.

Die Änderungen betreffen verschiedene Gruppen aus unterschiedlichen Gründen: Die Sprockhöveler Ärzte können ihre Dienste nicht mehr mit den Kollegen untereinander abstimmen. „Das lief per Absprache, wir haben uns zwei Mal im Jahr getroffen und ausgemacht, wer wann Dienst hat.“ Patienten, die außerhalb der Praxiszeiten Hilfe suchen, werden wohl längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. „Das Einsatzgebiet wird ja dann viel größer“, sagt Roland Sorgenicht. Er befürchtet, dass die Behandlungssituation anonymer werde, wenn zum Beispiel ein Patient aus Sprockhövel sich von einem Arzt aus einer anderen Stadt behandeln lasse. „Wir kennen unsere Patienten ja teilweise schon über Jahre“, sagt Sorgenicht. Probleme könnte es außerdem wegen der mangelnden Ortskenntnis geben, denn womöglich kennt sich ja nicht nur der Arzt nicht aus in Sprockhövel, sondern auch der Fahrdienst nicht.

Roland Sorgenicht befürchtet: „Wenn es den Patienten zu umständlich wird, werden sie häufiger 112 wählen, sie werden direkt in die Krankenhäuser fahren oder Sachen übers Wochenende ausbrüten.“

Die Hintergründe der Neuordnung sind strategischer Natur. „Wir wollen das Stadt-Land-Gefälle beseitigen“, sagt KV-Sprecher Christopher Schneider. Im ländlichen Raum müssten sehr viel weniger Ärzte insgesamt die gleiche Anzahl an Notdiensten leisten wie die in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet. Nachwuchsmediziner scheuten diese hohe Belastung, sagt Schneider. Dazu komme: „Das Netz der ärztlichen Versorgung wird sich ausdünnen. Jeder vierte Arzt ist über 60 Jahre alt.“ Insofern sei es eine perspektivische Änderung.

 
 

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