Mitgliederwerbung macht hier keinen Sinn

Foto: Svenja Hanusch
Der Knappenunterstützungsverein, fast 120 Jahre alt, ist mächtig geschrumpft. Der Bergbau ist heute bedeutungslos.

Sprockhövel.  „Ich bin jetzt schon über vierzig Jahre Vorstandsmitglied. Zu meiner Anfangszeit waren wir über 250, heute ist die Zahl der Mitglieder auf 21 gesunken“, erzählt Friedhelm Erlbruch. Der Knappenunterstützungsverein Sprockhövel besteht seit fast 120 Jahren.

An einem Tisch in der Gaststätte Nippus haben sich eineinhalb Dutzend Menschen fortgeschrittenen Alters versammelt. Es wird geredet, getrunken und gegessen. So wie es auch in den letzten Jahren getan wurde. Der Kreis der Mitglieder ist über die Jahrzehnte immer kleiner geworden, doch dafür wuchs man mehr zusammen.

Der 85-jährige Erlbruch und seine Vereinskameraden waren allesamt früher als Bergleute tätig. Hätten also gegebenenfalls vom Knappenunterstützungsverein profitiert. „Ursprünglich wurden die Vereine ins Leben gerufen, um den Bergleuten eine Form der Absicherung im Krankheitsfall zu gewährleisten. Jedes Mitglied zahlte einen Beitrag, der in einem Topf landete und bei Bedarf den Betroffenen oder deren Angehörigen ausgezahlt wurde.“

Unterstützung rückt in den Hintergrund

Später, nach dem Entstehen von Sozialversicherungen rückte der Aspekt der Unterstützung etwas in den Hintergrund. Die Knappenvereine engagierten sich sozialpolitisch. „Damals haben sich die Knappenvereine untereinander auch im internationalen Kontext besucht. Ich kann mich an Reisen nach Belgien, England und Luxemburg erinnern“, so Erlbruch, der für sein jahrelanges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Doch mit den Jahren, mit dem Bedeutungsverlust des Bergbaus und der Unterstützungsvereine, wurden auch die Aktivitäten überschaubarer. „Die einzige Veranstaltung, die wir noch aktiv ausrichten und an der auch Mitglieder anderer Vereinigungen teilnehmen, ist unser alljährlich am zweiten Adventswochenende stattfindendes „Barbara- Fest“, schildert Karin Beinhoff, erste Kassiererin.

Babara galt von jeher als Schutzpatronin der Bergleute. „Bei diesem Fest wird zunächst in die Kirche gegangen, Gottesdienst gefeiert und anschließend mit einem reichhaltigen Abendessen gefeiert.“ Man versuche sich regelmäßig alle zwei Monate zu treffen. Neue Mitglieder zu werben mache keinen Sinn, da der Bergbau kaum noch Relevanz in unserer Gesellschaft habe. Friedhelm Erlbruch: „Wir versuchen so lang wie möglich weiterzumachen und wenigstens eine Bergmannsche Tradition weiterzuführen: Das Trinken von klarem Schnaps und Bier.“

 
 

EURE FAVORITEN