Mit Tanzschritten Sprachbarrieren überwinden

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Der Spaß an Bewegung ist auch ein Spaß an Begegnung. Ein Workshop im Jugendzentrum Haßlinghausen bringt Menschen verschiedene Kulturkreise zueinander.

Sprockhövel.  Tanzen verbindet Menschen und Kulturen bekanntermaßen ohne viele Worte. Diesen Vorteil nutzten die Tanzlehrer Miriam Venn und Lasse Lemm, um in Sprockhövel untergebrachten Flüchtlingen sowie Einzelpersonen und Paaren jeglicher Herkunft den Paartanz näher zu bringen. Dabei ging es in erster Linie nicht nur um den Spaß an neuen Bewegungen, sondern auch um das kulturelle Miteinander.

Als Tanzparkett dienten dabei die Räume des Jugendzentrums in Haßlinghausen. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, Grundschritte und einfache Figurkombinationen aus drei ganz unterschiedlichen Tänzen zu erlernen: feurige Salsa aus Südamerika, sinnliches Kizomba aus den portugiesisch-sprachigen afrikanischen Ländern und den in Europa bekannten Discofox. „In einem der drei Tänze ist man bestimmt neu zu Hause und kann von den Kenntnissen der anderen Teilnehmer profitieren“, ist Venn sicher. „Und wer weiß, vielleicht lernen wir als Tanzlehrer spontan auch noch ein paar Tänze aus aller Welt dazu.“

Miriam Venn, die als Adoptivkind im Alter von sechs Monaten nach Sprockhövel kam, setzt sich aktiv für Flüchtlinge ein. „Ich bin hier aufgewachsen, aber auch ich habe ausländische Wurzeln. Vielleicht können sich Flüchtlinge daher in gewisser Weise mit mir identifizieren und Vertrauen fassen“, vermutet sie.

Mit Händen und Füßen

Drei Stunden lang wird jeweils 45 Minuten ein Tanz geübt, erst ohne Musik, dann mit, erklärt Venn das Prinzip des Workshops. Unter ihren etwa 20 Schülern sind Menschen aus Syrien, Eritrea, Armenien, dem Irak und Deutschland. Nicht alle sprechen Deutsch oder Englisch, man verständigt sich buchstäblich mit Händen und Füßen. „Wir haben solche Tanzkurse schon lange vor dem Flüchtlingsstrom angeboten“, berichtet Gudrun Hansen vom Jugendzentrum. Das Fertigkeiten der Teilnehmer sei diesmal sehr unterschiedlich. „Aber heute steht eben die Begegnung im Vordergrund“, findet sie. Zwar seien solche interkulturellen Veranstaltungen sehr wichtig, dennoch würden sie sich nicht immer ganz einfach gestalten. „Viele der Männer wollen sich von Frauen, vor allem außerhalb des eigenen Haushaltes in der Öffentlichkeit, nichts sagen lassen“, musste Hansen erfahren. Das hänge wohl damit zusammen, dass sie es aus ihrer Heimat anders gewöhnt seien. Das wird deutlich, als sie einen Flüchtling bitten muss, in den Räumlichkeiten seine Zigarette auszumachen. Zwar kommt der Mann der Aufforderung nach, doch die Blicke sprechen für sich. „Manchmal weiß man nicht, ob man sich einmischen oder die gute Atmosphäre wahren soll“, so Hansen.

 
 

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