Keine Katalogware

Lisa Flieger
Bei der Arbeit: Henner Gräf bearbeitet mit Klüpfel und Meißel einen Anröchter Dolomit. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Bei der Arbeit: Henner Gräf bearbeitet mit Klüpfel und Meißel einen Anröchter Dolomit. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Sprockhövel. Seine Leidenschaft zum Beruf machen – genau das hat Henner Gräf getan. Er ist freiberuflicher Steinbildhauer in Obersprockhövel und lässt seiner künstlerischen Kreativität freien Lauf. „Mein Beruf ist sehr weit gefächert, jede Arbeit von mir hat ein individuelles Design“, so Henner Gräf.

Zu seinen vielfältigen Arbeiten gehören Gartenobjekte wie Brunnen, Möbel, Vogelbäder und Skulpturen sowie Grabsteine und Totenmasken. Henner Gräf erklärt: „Bei mir gibt es keine Katalogware, ich erstelle die Arbeiten auch ohne Zeichnungen – sie entstehen vielmehr Schritt für Schritt frei heraus nach meinen Vorstellungen.“

Der große Vorderhof dient nicht nur zum Ausstellungsgelände, dort werden auch viele Arbeiten hergestellt. In der Außenwerkstatt findet sich ein massiver Steintisch, auf dem die Natursteine mit Sorgfalt und vielfältigen Werkzeugen bearbeitet werden. „Ich arbeite am liebsten draußen in der Natur, es gibt keine schönere Atmosphäre. Hier habe ich Platz und störe niemanden. Außerdem weht der Staub dann durch den Wind von ganz alleine fort“, so der Bildhauer. Momentan arbeitet er an einer Gartenliege aus Stein – mal ein ganz besonders Möbelstück.

Der Steinbildhauer verwendet ausschließliche heimische Materialien wie Sandstein, Vulkanstein oder Marmor. „Auf die Umwelt zu achten ist mir sehr wichtig“, betont Henner Gräf. Mit der Verwendung von heimischen Materialien garantiere er kurze Transportwege und vermeide den Import zum Beispiel von chinesischem Stein, der manchmal auch von Kindern gebrochen wird.

Aus dem nahen Alten Sirrenberger Steinbruch verwendet der Bildhauer jedoch keine Steine, da dieser unter Naturschutz steht. „Ich achte auch darauf, dass die Steine besondere Formen mit sich bringen und lasse mich dann von ihnen inspirieren“, sagt Henner Gräf.

Ein weißes Boot aus norditalienischem Marmor gehört zu den neusten fertiggestellten Arbeiten. Es ist mit einer Ankerleine an einem weiteren weißen Stein befestigt – und stellt einen Grabstein dar. „Dieser Grabstein steht für die abgeschlossene Reise des Toten aus dem Leben und die Ankunft an einem anderen Ort. Jeder der Trauernden kann dann einen persönlichen Gegenstand in das Boot hineinlegen, den er dem Toten mitgeben möchte“, erklärt Henner Gräf. Besonders bei der Entstehung von Grabsteinen achtet der Bildhauer auf die enge Verknüpfung mit der Trauerbewältigung. „Persönliche Wünsche fließen durch Motive, Formen und Inschriften immer in die Gestaltung mit ein“, erklärt Henner Gräf. Totenmasken stellt er jedoch eher selten her.

An Wettbewerben nimmt der Bildhauer auch ab und an teil – und das sehr erfolgreich. Im Jahr 2008 wurde einer seiner Grabsteine international als „Bester Grabstein des Jahres“ in Nürnberg ausgezeichnet.