Jugendamt will Ruf aufpolieren

Bastian Haumann
Ilse Crefeld, Leiterin des Jugendamtes. Foto: Horst Müller / WAZ FotoPool
Ilse Crefeld, Leiterin des Jugendamtes. Foto: Horst Müller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Sprockhövel. Die Jugendämter wollen mit einer bundesweiten Image-Kampagne gegen ihren schlechten Ruf kämpfen. Sprockhövel will sich anschließen.

Die Vorwürfe gegen Jugendämter häufen sich: Sie schreiten zu spät ein und holen Kinder nicht aus den Familien. Sie schreiten zu früh ein und holen die Kinder ungerechtfertigt aus den Familien. Sie schreiten gar nicht ein – und Kinder sterben. Auch Passanten auf Sprockhövels Einkaufsmeilen, nach ihrer Meinung gefragt, kennen da kein Pardon: „Jugendämter lassen Kinder verlottern. Jugendämter lassen Kinder sterben. Jugendämter verschleppen Kinder.“

Dabei gab es in Sprockhövel niemals solche Probleme. Ilse Crefeld vom Sachgebiet Jugend, Familie und Schule sind die Vorwürfe bekannt. „Jugendämter werden auf das Negative reduziert – und das bundesweit.“ Sie kenne die Schwierigkeiten, die manche Entscheidungen der Jugendämter mit sich bringen. Für extreme Fälle führte das Sprockhöveler Jugendamt bereits 2009 einen standardisierten Melde- und Reaktionsplan ein. In schweren Fällen sei immer eine Risikoabwägung notwendig, so Crefeld. Wesentlich häufiger komme es vor, dass Familien ein Gespräch mit dem Jugendamt suchen. „Unsere Aufgabe ist es zu schauen, wie es für diese Familien weiter geht“, sagte Ilse Crefeld. Dass Kinder in Obhut genommen werden, sei nur eine Möglichkeit. „Was wir übrigens nur in Absprache mit dem Familiengericht machen dürfen.“ Während die negativen Beispiele bei den Leuten gut in Erinnerung bleiben, sind andere Arbeiten der Jugendämter kaum bekannt. „Wir sind für Kindertageseinrichtungen, Familien- und Jugendzentren, Pflegekinderdienste und Adoptionsvermittlung zuständig“, erklärt Ilse Crefeld. „Diese Möglichkeiten möchten wir – auch mit der Image-Kampagne – der Öffentlichkeit präsentieren.“