Interview mit einem Model-Huhn

Foto: Volker Speckenwirth
An der Schau des RGZV Sprockhövel nehmen zwölf Züchter mit 70 Tieren teil. Den Fragen der WAZ stellt sich Elfriede Henne-Lege, eine der Stars im Käfig.

Frau Henne-Lege, sie sind ein rassiges Geflügel und stellen sich auf der Ausstellung dem strengen Blick des Punktrichters. Malen Sie sich Chancen aus?

Es gibt da die Grundlagen und gewisse Rassestandards, die ich erfüllen muss. Kleinste Abweichungen bringen schon einen Punktabzug mit sich. Die Farbe des Gefieders muss stimmen, an meinen Schenkeln darf kein Gramm zu viel sein, ein krummer Zeh grenzt an eine Katastrophe – das würde zum Abzug einer ganzen Note führen. Oder die Bewertung würde gleich ganz ausbleiben. Und täuschen Sie sich da nicht: Es gibt einige grobe Schnitzer, die mindestens ebenso schlimm sind.

Wie bereiten sie sich auf eine Ausstellung vor?

Die Leute fragen sich doch immer, was zuerst da war: Ei oder Huhn? Doch es war die Planung. Denn noch bevor ich darauf wartete, aus dem Ei zu schlüpfen, machte sich der Züchter Gedanken darüber, wann er mit der Zucht beginnt oder welche Tiere er zusammenbringt. Die Planung ist also die eine, Glück die andere Sache, die zum Erfolg führt. Denn das Quäntchen Glück gehört dazu, um genau den richtigen Zeitpunkt für die Zucht zu finden. Dabei gilt: Je größer das Huhn, desto früher im Jahr muss man anfangen. Die Männer brauchen wie immer länger, sich mal vernünftig zu entwickeln. Und wissen Sie, was das Problem ist? Da ist es noch saukalt. Und wer hat da schon Lust, Nachwuchs zu zeugen. Es braucht also eine lange Vorlaufzeit.

Und kurz vor der Ausstellung? Was muss da gemacht werden?

Waschen, föhnen, legen.

Die Konkurrenz ist groß. Sie müssen sich gegen 70 Tiere behaupten. Sind sie aufgeregt?

Konkurrenz kenne ich aus dem Stall. Oder glauben Sie, ich bin das einzige Huhn, mit dem es der Züchter versucht hat? Beileibe nicht! Ich musste mit zahlreichen Artgenossen um die Anerkennung des Züchters kämpfen. Da ich eben besonders gut geraten bin, konnte ich mich dabei durchsetzen. Die Konkurrenz verschwand nach und nach, je älter ich wurde. Wer weiß, wohin? Aber ich muss den Züchter auch in Schutz nehmen. Wie sind ja keine Legehennen. Die Haltung ist hervorragend. Auch auf den Ausstellungen sind die Käfige angemessen groß.

Werden wir konkret: Was für ein Ergebnis wünschen Sie sich?

Auf meinem Schild am Käfig soll natürlich unbedingt das V für vorzüglich. Es ist die beste Bewertung, 97 Punkte.

Warum keine 100 Punkte?

Naja, auch ich kann ja nicht absolut perfekt sein. Eine höhere Punktzahl gibt es nicht.

Werden Sie ewig an Ausstellungen teilnehmen?

Nein, ich überlege, meine Karriere schnell wieder an den Nagel zu hänge. Vielleicht nehme ich noch ein paar größeren Ausstellungen mit. Aber dann werde ich auf Suppenhuhn umschulen. Unter uns: Ich komme bald in die Mauser. Und dann bin ich nur noch ein olles Huhn. Bei Gänsen und Tauben werden aber auch mal Alttiere ausgestellt.

Frau Henne-Legge, vielen Dank für das Gespräch.

Mit Model-Huhn Elfriede Henne-Lege sprach WAZ-Mitarbeiter Bastian Haumann.

 
 

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