Ihr Kampf gegen die L70n

Bürgerinitiative gegen den Bau der Umgehungsstraße: Klaus Pickhardt, Martin Debold und Anwalt Christian Ruthenbeck (von links). Foto: Arne Poll / WAZ Fotopool
Bürgerinitiative gegen den Bau der Umgehungsstraße: Klaus Pickhardt, Martin Debold und Anwalt Christian Ruthenbeck (von links). Foto: Arne Poll / WAZ Fotopool
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Niedersprockhöveler Bürgerinitiative bezweifelt die Notwendigkeit der geplanten Umgehungsstraße.

Sprockhövel..  Die Stadtspitze hofft auf sie. Die CDU auch, obwohl sie glaubt, dass sie nicht mehr kommt, die geplante Umgehungsstraße L70n. Es gibt aber auch Menschen, die sind gegen diese Strecke. Und sie haben gute Argumente.

Klaus Pickhardt (57), Martin Debold (52) und Christian Ruthenbeck (50) stammen aus alteingesessenen Sprockhöveler Familien und verfolgen die Jahrzehnte währende Planung der Umgehungsstraße aufmerksam. Am aktuellen Entwurf, der die Straße mit einem Kreisverkehr an der Hauptstraße beginnen und mit einem solchen auch an der Haßlinghauser Straße enden lässt, üben sie über die Karte gebeugt heftige Kritik.

Es geht los mit dem Kreisverkehr an der Hauptstraße: Zu groß, sagen die drei. Wenn man die Größe des nahe gelegenen Rewe-Marktes kenne, könne man einschätzen, wie groß der Kreisverkehr werde, sagt Martin Debold.

Auch auf dem Weg zur Haßlinghauser Straße sehen sie Probleme: Zum Beispiel ist für eine Teilstrecke im Plan der Radweg direkt neben der Umgehungsstraße eingezeichnet. „Die Verbindung von Hattingen nach Schee fällt damit weg“, sagt Klaus Pickhardt. Neben der Umgehungsstraße werde niemand mehr mit dem Fahrrad fahren oder Sport treiben wollen.

Im Wohngebiet Börgersbruch wird man eingekeilt sein durch die L70n, denn auf der anderen Seite verläuft die Haßlinghauser Straße. Geplant ist deswegen ein Schallschutz. „Das Geld dafür ist doch gar nicht da“, sagt Christian Ruthenbeck. 800 000 Euro, so rechnen die besorgten Bürger, werde die Stadt dafür zusammenkratzen müssen. Und im Wohngebiet rufe das traurige Erinnerung wach, denn hier sei vor langer Zeit auch Schallschutz gegen die Haßlinghauser Straße versprochen worden – ohne dass dieses Versprechen je eingelöst worden sei.

Das sind die Hauptkritikpunkte am bestehenden Plan, aber Debold, Ruthenbeck und Pickhardt bezweifeln die Notwendigkeit der L70n grundsätzlich. „Nach unseren Wissensstand gibt es keine belastbaren Zahlen. Die in den Raum gestellten 13 000 Verkehrsbewegungen pro Tag auf der Hauptstraße bezweifele ich“, sagt Christian Ruthenbeck. Eine so genannte Kordon-Zählung, eine komplexere Messung des Verkehrs, habe jedenfalls nicht stattgefunden. „De facto ist das Verkehrsaufkommen nicht so groß, dass eine kleine Stadt so eine Umgehungsstraße braucht“, sagt Klaus Pickhardt. „Selbst mit Baustellen auf der Hauptstraße herrscht kein Verkehrschaos“, ergänzt Ruthenbeck.

„Was fehlt, ist ein schlüssiges Gesamtkonzept“, sagt der Anwalt weiter. Wenn man wirklich entwickeln wolle, dann könne man das durch einen Kreisverkehr an der Kreuzung Bochumer, Haßlinghauser, Fänken- und Eickerstraße. So könne man den Abfluss über die Eickerstraße gut regeln – ohne Umgehungsstraße.

Die drei Protestler schließen, dass es bei der Umgehungsstraße nicht zuletzt um den Ausbau des Industriegebietes an der Hombergstraße gehe – hier soll ein Anschluss zur L70n geschaffen werden. „Dafür ist aber kein Bedarf da – es gibt genügend Industriegebiete“, sagt Klaus Pickhardt.

 
 

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