Herbstkonzert der Chorgemeinschaft Sprockhövel

Das Herbstkonzert der Chorgemeinschaft leitete Ralf Pokorra, am Klavier begleitete Simone Bönschen-Müller.
Das Herbstkonzert der Chorgemeinschaft leitete Ralf Pokorra, am Klavier begleitete Simone Bönschen-Müller.
Foto: Walter Fischer
Die 120-jährige Chorgemeinschaft Sprockhövel reißt zusammen mit dem Musikzugder Freiwilligen Feuerwehr Sprockhövel das Konzertpublikum aus dem November-Blues.

Männerchöre sind eine aussterbende Gattung. In der Nachbarschaft war es soeben erst der 1848 gegründete MGV Langenberg, der seinen Gesangsbetrieb einstellt. An zu wenigen Fans liegt das übrigens nicht: Die Chorgemeinschaft Sprockhövel, 120 Jahre alt, lud jetzt zum Herbstkonzert in die Glückauf-Halle, und eine unruhig wartende, rund zweihundertköpfige Anhängerschaft konnte es kaum erwarten, bis eine halbe Stunde vor Beginn endlich die Saaltüren geöffnet wurden.

Pianistin als Schrittmacherin

„Schauen Sie doch raus, übelstes Novemberwetter“, klagte Verena Kasmirack. Die 72-Jährige hatte sich in Begleitung einer Schulfreundin nach Niedersprockhövel aufgemacht, um sich „ein wenig Licht ins Herz“ scheinen zu lassen. Nach einer freundlichen Begrüßung vom Vorstand setzten die gut 30 Herren auf der Bühne ein klares Zeichen gegen Herbstdepression und schmetterten in „Freunde, lasst uns singen“: „Die ganze Welt ist voller Sonne, das Leben macht uns froh“. Damit war im Nu alles im Saal auf gute Laune programmiert, hier hatte ab jetzt Dur Vorfahrt vor Moll.

Nun lässt sich nicht aus der Welt reden, dass das Durchschnittsalter der Chorgemeinschaft hoch ist, doch der beachtlich motivierende Chorleiter Ralf Pokorra und eine zuverlässig am Klavier vorantreibende Schrittmacherin Simone Bönschen-Müller halfen den Sangesbrüdern zwischendurch bei Tempoproblemen aus kleinen Unpässlichkeiten heraus. „Heimat, deine Sterne“, „Aennchen von Tharau“ oder die schwungvollen „Bergvagabunden“, „Dankeschön“ oder „Time to say Goodbye“ trug die Chorgemeinschaft jedoch mit so viel Herzblut und Inbrunst vor, dass es ihr das Publikum mit viel Applaus dankte.

Für ein farbiges Herbstprogramm hatte sich die Chorgemeinschaft einen starken musikalischen Partner an die Seite geholt. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Sprockhövel unter Leitung von Michael Ibing sorgte für satten wie präzise geblasenen Sound, der ankam: Am Ende der „Highland Cathedral“, die im Original von Dudelsackspielern und Trommlern in Kompaniestärke intoniert wird, waren laute Bravo-Rufe zu hören. Simone Bönschen-Müller bereicherte das Programm als Solistin mit einem Intermezzo, dann begleitete sie den Düsseldorfer Bariton Ralph Lehmkühler bei einer Don-Giovanni-Kanzonette, einem Schubert-Lied und der berühmten Arie des Grafen aus Lortzings Wildschütz.

Nach der Pause stellten die Herren unter Beweis, dass auch Arrangements modernerer Stücke durchaus bei ihnen in guten Händen sind. Vangelis‘ „Conquest of Paradise“ oder der Abba-Hit „I have a dream“ waren starke Beiträge, gekrönt am Schluss mit dem gemeinsam mit dem Feuerwehr-Musikzug vorgetragenen „Frei weg“.

 

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