Hausmusik bei Overmanns in Sprockhövel

Mögen Hausmusik: Fridhilt (mit Barockvioline) und Helmut (Bass Gambe). Zum Musizieren laden sie gern Freunde ein.
Mögen Hausmusik: Fridhilt (mit Barockvioline) und Helmut (Bass Gambe). Zum Musizieren laden sie gern Freunde ein.
Foto: Volker Speckenwirth
Helmut und Fridhilt, die Gambe und Geige spielen, sind „vorbelastet durchs Elternhaus“. Sie holen sich regelmäßig Freunde und Bekannte ins Wohnzimmer.

Hausmusik stand schon hoch im Kurs, als Helmut und Fridhilt Overmann noch Kinder ung Jugendliche waren. Bei Sohn und Tochter knüpfte das Ehepaar an die Tradition an und gab sie auch an die drei Enkel im Alter von 18 bis 22 Jahren weiter. Alle haben angefangen, ein Instrument zu spielen, aber da war dann irgendwann „die Luft raus“, so die Großeltern.

Da die Familie weit entfernt wohnt, holen sich die Sprockhöveler Musikbegeisterte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ins Haus, darunter Maria Cristina Witte, Organistin der St. Georgs-Kirchengemeinde Hattingen. Seit der Sohn der Overmanns nicht mehr auf dem Cembalo spielt, nutzt Witte das Instrument. Oder andere, die zur Hausmusik in die Wohnung des Paares kommen.

Ein Leben ohne Musik können sich weder der ehemalige Hattinger Realschullehrer, der vor 55 Jahren beruflich in die Nachbarstadt kam, noch seine Frau vorstellen. Beide sind „vorbelastet durchs Elternhaus“. Die 82-Jährige erzählt von sich und ihren Schwestern: „Jedes der fünf Mädchen spielte ein anderes Instrument“. Die älteste und die jüngste Schwester wurden Kirchenmusikerinnen mit der Ausbildung für Gesang. Fridhilt wäre das auch gern geworden. Aber „als Geigerin war das schwierig“, weshalb die Sprockhövelerin Kinderkrankenschwester lernte.

Bei einem Gesprächskreis und Musik in Werdohl lernte sie ihren Mann kennen, dessen Vater Laute spielte und in den 1960er Jahren eine Jugendherberge in Esborn, heute ein Stadtteil von Wetter leitete. Mit den Gästen machte er Hausmusik. Im Alter von 15 Jahren bekam Sohn Helmut eine Blockflöte in die Hand gedrückt. Heute spielt der ehemalige Mathe- und Physiklehrer, der anfangs auch Musikunterricht gab, Gambe. Das Instrument zu spielen hat er in einem vierzehntägigen Workshop gelernt, an dessen Ende ein Auftritt stand. Dass so schnell Ergebnisse zu hören sind und ein gemeinsames Spiel möglich ist, begeistert den 86-Jährigen. Bei der Geige sei die Durststrecke viel länger.

Regelmäßig wird musiziert, in immer neuen Besetzungen. Zu dritt oder, wenn das Wohnzimmer voll ist, auch zu siebt. Im Herbst war das Paar am Gardasee. Nicht um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, sondern – wie seit Jahren – um an der Internationalen Akademie für Alte Musik teilzunehmen. Helmut Overmann freut sich, dass an den Tag der Hausmusik erinnert wird. Auch wenn die „Generation Smartphone“ dazu vielleicht keinen Zugang hat. Sie macht ja Musik – wie das hohe Niveau von „Jugend musiziert“ dem Paar beweist – nur anders.

 
 

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