Haßlinghauser nehmen Flüchtlinge als Mieter auf

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Albrecht van Well und Felicitas Blasius-Taetz meldeten sich auf den Aufruf der Stadt, die nach Unterkünften sucht – Glück für eine afghanische Familie.

Sprockhövel.  Albrecht van Well und Felicitas Blasius-Taetz leben Tür an Tür mit einer afghanischen Flüchtlingsfamilie. Das Leben unter einem Dach ist ganz normal. „Wir sind sogar schon bekocht worden“, erzählt van Well. Auch die Verständigung klappt, irgendwie. Zur Not mit Händen und Füßen. Das Haßlinghauser Pärchen hat sich entschieden: Beide wollen nicht nur über Integration reden, sondern sie leben.

Die ganze Geschichte fängt vor einigen Wochen, auf dem Initiativtreffen in der Glückaufhalle an. Die Stadt wirbt für eine Willkommenskultur. Flüchtlinge sollen mit offenen Ideen empfangen werden. Die Veranstaltung ist gut besucht, viele neue Ideen werden an die Flipcharts gepinnt. Hier erfahren van Well und Blasius-Taetz auch von der Möglichkeit, Privatwohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. Als Mieter tritt die ZGS auf, die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Sprockhövels. „Etwa zur gleichen Zeit wurde die Wohnung bei uns frei“, sagt van Well.

Kennenlernen bei der Feuerwehr

Das Initiativtreffen geht vorbei, jetzt zieht der Löschzug Haßlinghausen nach. Seit 35 Jahren macht sich Albrecht van Well dort stark. Der Löschzug lädt alle Flüchtlinge zu einer Art Tag der offenen Tür ein. „Und da haben wir die Familie aus Afghanistan kennengelernt.“ Alles weitere regeln der Flüchtlingsbetreuer Michael Bergedick und Fariborz Molki, Hausmeister der beiden Übergangswohnheime.

Als es bekannt wird, dass Flüchtlinge im Haßlinghauser Dorf einziehen, gibt es anfangs zurückhaltende Reaktionen. „Doch kaum war die Familie hier eingezogen, hörten wir die Vorurteile purzeln“, sagt Felicitas Blasius-Taetz. Und es gibt Unterstützung. Ein Nachbar schenkt der Flüchtlingsfamilie eine alte Essecke.

Die Familie – Firouz und seine Frau Ghazal Wajdani, die beiden Kinder Mahsa und Misagh – haben viel in ihrer alten Heimat zurückgelassen. „Ihnen ging es dort nicht schlecht“, sagt van Well. „Sie ist Lehrerin, er ist Geschäftsmann“, gibt er wieder, was er in den vielen Gesprächen aufgeschnappt hat. „Doch die Taliban übte Druck auf die Familie aus, drohte wohl auch damit, die Tochter zu entführen.“ Ganz langsam lebt sich die Familie in Deutschland ein. Die Mitglieder besuchen Sprachkurse und Albrecht van Well nimmt die beiden Kinder auch mal mit zu den Löschknöpfen, zur Kindergruppe der Feuerwehr.

Dass Flüchtlinge mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben, können Albrecht van Well und Felicitas Blasius-Taetz nicht verstehen. „Es ist ein Mangel an Einfühlungsvermögen“, finden sie und betonen: „Jeder, der seine Heimat verlässt, wird dafür seine Gründe haben.“

 
 

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