Fußballverein "Wilde 13" feiert 20. Geburtstag

Mitte der 1990er Jahre: Die Trikots wurden damals selbst gebatikt.
Mitte der 1990er Jahre: Die Trikots wurden damals selbst gebatikt.
Foto: WAZ
In diesem Jahr feiert Sprockhövels vielleicht außergewöhnlichster Fußballverein sein 20-jähriges Bestehen: Die Wilde 13 ist seit 1992 am Ball und plant zur Feier eine große Party.

Sprockhövel.. Wer sich der Wilden 13 Sprockhövel nähern will, kommt mit schnödem Zahlenwerk und dem Aufzählen von Titeln und Meisterschaften nicht weit. Sicher, es gab ein Zwischenspiel in der Kreisliga B, für einen Verein mit damals knapp 100 Mitgliedern ein Erfolg. Es gab Jahre des Wachstums, in denen zwei Männer-, eine Frauen- und eine Mannschaft bei den Alten Herren gestellt wurde. Wer die Wilde 13 ist und war, zeigen aber eher die Geschichten rundherum.

Alles begann als Thekenmannschaft, nachdem sich elf Fußballfans ihrem Hobby zuvor auf dem Bolzplatz am Waldweg gewidmet hatten. Zum ersten Mal eckte der neue Verein wegen seines Namenswunsches an. „Der Name Wilde 13 wurde vom Kreis zunächst abgelehnt“, sagt Thomas Kiewaldt (40), der als Einziger noch übrig ist von den Gründungsmitgliedern. Eine Alternative wäre gewesen, als dritte Mannschaft der Sportfreunde Niederwenigern anzutreten, aber kurz vor dem Start der Kreisliga-C-Saison 1993/94 kam dann doch noch die Genehmigung der Kreisoberen. Eine Saison, in der es einen Sieg gab. „Gegen den TuS Hasslinghausen II“, so Kiewaldt.

Auch die Trikots der Wilden 13 sorgten mehrfach für große Augen. Zum Beispiel, in Anlehnung an die Jerseys der ghanaischen Nationalmannschaft, mit selbst gebatikten Hemden. 1996 wechselte man zum Totenkopf mit gekreuzten Knochen vor schwarzem Hintergrund. Andere Vereine wandten sich an den Verband, wegen dieser Beschwerden durften die Trikots nicht mehr zu Meisterschaftsspielen getragen werden. Das Outfit entpuppte sich aber als Geheimtipp. 3000 Shirts und Pullis mit dem Wilde-13-Motiv seien in Umlauf, so Kiewaldt. „So viele Leute kenne ich gar nicht“, sagt er mit einem Lachen.

Es gäbe auch sportlich noch einiges zu erzählen, etwa von der Basketballmannschaft, die zwei Spielzeiten mit, nun ja, eher weniger sportlichem Erfolg in den Hallen zu Gast war (1997-99). Eine Halbzeit konnten die Korbjäger insgesamt für sich entscheiden. Immer wieder gab es Überlegungen, eine neue Sparte aufzumachen, aber das klappte nie mehr.

Längst nicht nur Fußball im Kopf: Vereinsinterner Literaturkreis

Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass die Mitglieder der Wilden 13 zu viel anderes zu tun haben. Zum Beispiel lesen. Dieser Leidenschaft ging einige Jahre ein vereinsinterner Literaturkreis nach, in dem Werke von Autoren wie Wolfgang Welt („Peggy Sue“) oder Iwan Gontscharow („Oblomov“) vorgestellt und diskutiert wurden. Auch im Kino entfalteten die Mitglieder der Wilden 13 ihre Kreativität. Der Interview-Film „Wilde 13 – Kreisliga C“ feierte 2006 im Kino im Hauptbahnhof Bochum Premiere und ist auf DVD erhältlich.

Eine andere bei der Wilden 13 sehr beliebte Kunstform ist die Musik, es gibt sogar so etwas wie eine Vereinsband. Die Gruppe „N‘ paar Zerquetschte“ bestand seit 1996 aus vier Spielern, ihre Lieder liefen fortan vor Partien in der Kabine im CD-Spieler. Die Titel gehen in die Punk-Richtung und tragen Namen wie „Hobbys Fußball, Fußball, Fußball und lesen“, „Benehmen wie ‘ne offene Hose“ oder auch „Wir können nix!“. Am beliebtesten vor den Spielen war aber wohl „Ich mach mich schön für meinen Gegenspieler“.

Die Band wird auch im Juni auftreten, wenn die Wilde 13 in Sprockhövel ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Dazu sollen alle aktuellen und ehemaligen Spieler plus Anhang eingeladen werden. Eine Herrenmannschaft wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die zweite Mannschaft wurde voriges Jahr abgemeldet, die erste zum kommenden Sommer. Während die Damen weiter in der Kreisliga um Punkte spielen werden, überlegen die übriggebliebenen Herrenspieler, in Bochum einen neuen Verein zu gründen, dessen Name „Spielerkollektiv Bochum“ lauten könnte.

 

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