Flüchtlinge berichten von der Flucht

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Bürger erfuhren aus erster Hand, wie die Situation in den Herkunftsländern ist. Teilweise brauchten die Erzählenden nicht mal mehr einen Dolmetscher.

Sprockhövel.  In der Pausenhalle der Grundschule Haßlinghausen war es voll am Samstag. Die Veranstaltung „Flüchtlinge in Sprockhövel – Ihre Beweggründe, ihre Flucht, ihre Ankunft und ihre Wünsche und Hoffnungen“ gab den Leuten die Möglichkeit, in Kontakt mit den Menschen zu kommen, die ihr Zuhause in Afghanistan oder Syrien verließen, vor Krieg und Fassbomben flohen, um in Deutschland sicher leben zu können.

Auch junge Menschen zeigten Interesse, wie der zwölfjährige Julius Berkermann. „Ich wollte das hier hören“, erzählte er. Und schob hinterher, dass wohl nur wenige das in seinem Alter machten. Doch auch unter seinen Freunden sei die Flüchtlingsthematik hin und wieder Gespräch. „Und es kommen Sprüche“, sagte der Jugendliche. Sprüche, die weit rechts der Mitte einzuordnen seien. „Sogar von einigen, die ich nie so eingeschätzt hätte.“ Julius selbst kam aber auch fernab der Veranstaltung schon mit Flüchtlingen ins Gespräch. Man treffe sie ab und an in der Stadt.

Mehrere Programmpunkte

Die Veranstaltung hatte mehrere interessante Programmpunkte zu bieten. Nach der Begrüßung von Bürgermeister Ulli Winkelmann informierte Michael Bergediek, Flüchtlingskoordinator der Stadt, über die aktuelle Situation: „In Sprockhövel gibt es etwa 250 Flüchtlinge.“ Die Stadt hat eine Notunterkunft in der Haßlinghauser Dreifachfachsporthalle eingerichtet. Viele Flüchtlinge sind dezentral untergebracht. „In 162 Privatwohnungen, was eine hohe Zahl für eine solch’ kleine Stadt wie Sprockhövel ist.“

Doch trotz der vielen Menschen: „Ich habe noch nie so wenige Menschen zur Polizei begleiten müssen.“ Das sei mal anders gewesen. „Und da hatten wir wesentlich weniger Flüchtlinge hier wohnen, als es heute der Fall ist.“

Den Grund dafür sieht Bergediek im bürgerschaftlichen Engagement. Viele machen sich stark für die Flüchtlinge, helfen und unterstützen. Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe informierte später noch darüber, welche Möglichkeiten zum Engagement es gibt.

Nah dran am Schicksal der Menschen waren die Veranstaltungsgäste, als die Flüchtlinge selbst erzählten, wie und warum sie nach Deutschland kamen. Teilweise brauchten sie nicht einmal einen Dolmetscher dafür, denn in Kursen haben sie die neue Sprache schon längst gelernt. Wie Garabet, der in Aleppo Jura studiert und eine Wohnung in Hiddinghausen hat. „Ich bin seit einem Jahr hier in Deutschland.“ Und er war es auch, dem eine Weile Kirchenasyl gewährt wurde (wir berichteten).

Arbeiten darf er noch nicht, treibt aber Sport – Schwimmen und Fußball – und besucht regelmäßig Deutschkurse. „Ich habe auch schon mit den Hiddinghausern gespielt“, berichtet er.

 
 

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