Er hat den Bogen raus

Ralf Bernhardt zielt mit einem Compoundbogen, Schülerin Martina Feller-Linge  mit einem Recurvebogen. Foto: Caroline Gustedt
Ralf Bernhardt zielt mit einem Compoundbogen, Schülerin Martina Feller-Linge mit einem Recurvebogen. Foto: Caroline Gustedt
Bogensport-Experte Ralf Bernhardt lehrt den richtigen Umgang mit dem Sportgerät.

Sprockhövel..  Wer auch nur einen Zentimeter über die Schießlinie hinaustritt, für den hat sich das Bogenschießen erledigt – er darf nicht mehr mitmachen! Äußerst streng sind die sind die Regeln beim Bogenschießen, und Übungsleiter Ralf Bernhardt achtet streng darauf, dass sich jeder daran hält. „Oder möchtest Du aussehen wie ein Igel“, fragt er gleichermaßen provokativ wie auch liebevoll-ironisch. Das wäre die Konsequenz für jemanden, der sich im Schießfeld aufhält, wenn die Schützen sirrend ihre Pfeile abschießen.

Disziplin – dieser Begriff fällt immer wieder, wenn Ralf Bernhardt begeistert von dem Sport erzählt, den er seit mehr als 40 Jahren leidenschaftlich ausübt. Liebevoll streicht er über den Recurvebogen, der mit seinen großzügig geschwungenen Bögen sehr elegant wirkt. Einen anderen Eindruck dagegen macht der so genannte Compoundbogen, der sich durch seine Verspannungen, Feststell- und Umlenkmechanismen, durch das blanke, schimmernd blaue Metall und seine gedrungene Form eher wie ein Hightech-Sportgerät ausnimmt. „Es gibt Bögen und die passenden Pfeile, mit denen könnte man einen Elefanten zur Strecke bringen“, beschreibt Ralf Bernhard die durchaus ernst zu nehmende Wirkung.

Angesichts der filigranen, auf den ersten Blick so einfachen Konstruktion erscheint es nachvollziehbar, dass ein Robin Hood souverän mit Pfeil und Bogen umzugehen wusste. Die Physiotherapeutin Martina Feller-Linge arbeitet viel mit Kindern, hat sich vor kurzem selbst einmal daran gewagt, in den Bogensport hineinzuschnuppern.

Sie weiß, dass es zunächst einmal ein Erfolg ist, wenn man den Pfeil bestenfalls Richtung Strohscheibe schicken kann. Das Spannen der Sehne, die richtige Position des Körpers, Ruhe, Konzentration und auch ein Kraft sind nötig, um das Ziel auch nur über geringe Entfernungen von knapp zehn Metern zu treffen. Für alte Hasen wie Ralf Bernhard, der auf dem Waldhof Oberstenberg in Gevelsberg einen Bogensportverein leitet, sind erst Entfernungen von 90 Metern eine Herausforderung. Er ist Spezialist für das 3D-Schießen, bei dem es dann auch noch darum geht, Ziele zu fixieren, die sich über ein weitläufiges Areal in unterschiedlichen Abständen und Höhenlagen verteilen.

Gudrun Hansen leitet die Jugendzentren in Haßlinghausen und Niedersprockhövel. Sie hatte Ralf Bernhardt auch in diesem Jahr wieder als Übungsleiter eingeladen. Bereits im vergangenen Jahr konnte sie das Bogensport-Angebot für die Jugendlichen machen. Inzwischen gibt es von der Abteilung „Zentrales Gebäudemanagement“ der Stadt Sprockhövel die Genehmigung, den Winter über in der Turnhalle am Geschwister-Scholl Platz zu trainieren. „Eigentlich findet das Bogenschießen ganzjährig draußen statt“, erläutert Ralf Bernhardt, aber Gudrun Hansen hat dafür Verständnis, dass gerade Anfänger vielleicht im Winter doch lieber ein Dach über dem Kopf hätten. Außerhalb der Schulzeit gibt es aber auch Dank der Unterstützung des Kinderschutzbundes die Möglichkeit, am Jugendheim wenigstens überdacht zu trainieren. Dazu war es nötig, während des Trainings ein Auffangnetz für die Pfeile zu installieren. Diese Investition schlägt mit rund 300 Euro zu Buche, und erst jetzt konnte diese Anschaffung getätigt werden.

Ralf Bernhardt legt großen Wert auf die korrekte Einschätzung des Bogenschießens: „Es handelt sich ausdrücklich um eine körperbetonte Sportart, die nichts mit dem jagdlichen Schießen zu tun hat“, sagt er. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man beim Bogenschießen erlernen kann, sind vielfältig: eine feine Körperwahrnehmung und -beherrschung, höchste Konzentration, ein großes Maß an Disziplin, die Schulung von Gleichgewichtssinn und Feinmotorik.

Hier setzt das pädagogische Konzept von Gudrun Hansen an: „Viele Kinder sind ja kaum noch in der Lage, sich länger zu konzentrieren, die Sportlichkeit ist nicht mehr so gut entwickelt, es herrschen Bewegungsmangel und Rastlosigkeit. Da ist das Bogenschießen eine tolle Möglichkeit, diese Eigenschaften wieder ein bisschen zu trainieren.“

Wer also Lust hat, auf den Spuren von Robin Hood und Winnetou zu wandeln, hat am Donnerstag, 12. August, die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit dem Bogenschießen zu machen. In der Zeit von 16 bis 18 Uhr kann man unter Anleitung von Ralf Bernhardt erste Versuche unternehmen. Das Mitmachen kostet fünf Euro. Wer teilnehmen möchte, sollte sich bis Dienstag, 10. August, im Jugendzentrum anmelden.

Übrigens: Nicht nur Jugendliche dürfen sich mit dem Team vom Jugendheim in Verbindung setzen – ausdrücklich richtet sich das Angebot auch an Erwachsene.

 

EURE FAVORITEN