Entbeiner muss viele Jahre ins Gefängnis

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Rund 500 000 Euro Steuer hinterzogen. Arbeitskolonnen an Schlachtbetriebe vermittelt.

Er trug es nach außen mit Fassung. Zum Prozessauftakt hatte sich der Sprockhöveler Wolfgang B. (59) noch als überwiegend schuldlos bezeichnet. Doch am siebten Verhandlungstag sprach ihn das Essener Landgericht wegen Steuerhinterziehung schuldig: Drei Jahre und acht Monate soll der gelernte Entbeiner ins Gefängnis.

Damit folgte die XXI. Strafkammer exakt dem Antrag von Staatsanwalt Stefan Levin. Für eine Bewährungsstrafe, die Verteidiger Marco Ostmeyer gefordert hatte, sah sie dagegen keinen Raum. Rund 500 000 Euro hat der Sprockhöveler nach Berechnungen des Gerichtes zwischen 2003 und 2008 an Steuern hinterzogen.

Was er geschäftsmäßig aufgezogen haben soll, ist auch aus anderen Branchen bekannt, etwa auf dem Bau oder bei Gerüstbauern. Ganze Kolonnen von Arbeitern werden schwarz bezahlt, nur wenige von ihnen werden offiziell als geringfügig Beschäftigte angemeldet.

29 Vorstrafen

Laut Anklage soll es in Sprockhövel sogar eine illegale „Fleischzerleger-Szene“ gegeben haben. Wolfgang B., vor Gericht immer korrekt im Anzug, zählt von seiner Vita zu den eher schillernden Personen auf der Anklagebank. Seit 1989 ist er selbstständig in der Entbeiner-Szene aktiv. 29 Vorstrafen weist sein Register auf, darunter aber viele eher kleinere Straftaten.

Laut Urteil vermittelte er ganze Kolonnen illegaler Arbeitnehmer an Zerlegebetriebe in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland. Richter Johannes Hidding im Urteil: „Er hat dabei seine steuerlichen Pflichten nicht voll erfüllt.“ In den Jahren 2005 bis 2007 soll er sogar überhaupt keine Steuererklärung abgegeben haben.

Dass für die Steuerpflichten eine holländische Firma verantwortlich gewesen sei, nahm die Kammer ihm nicht ab. Das Gericht setzte sich im Urteil auch mit der Behauptung des Angeklagten auseinander, er hätte keine Arbeitnehmer beschäftigt, sondern „selbstständige Gewerbetreibende“ vermittelt. Richter Hidding: „Wir haben eine Menge von Zeugen gehört. Alle sagten, wir sind wie Arbeitnehmer beschäftigt worden.“

Strafmildernd berücksichtigte das Gericht das Geständnis in wenigen Punkten. Drei Monate der Strafe gelten bereits als verbüßt, weil der Prozess „rechtsstaatswidrig verzögert“ wurde. Wegen dringender Haftsachen hatte die Kammer den Prozess erst spät begonnen.

 
 

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