Ein Notar hat keinen drögen Job

Bastian Haumann
Hubertus Mayer (64) hat seit 34 Jahren seine Kanzlei als Rechtsanwalt und Notar in Hasslinghausen.
Hubertus Mayer (64) hat seit 34 Jahren seine Kanzlei als Rechtsanwalt und Notar in Hasslinghausen.

Sprockhövel. Hubertus Meyer hat Recht - aus Berufsgründen. Vor 34 Jahren eröffnete der Anwalt seine Kanzlei an der Mittelstraße, 48 Monate später wurde er als Notar vereidigt.

Hubertus Mayer hat „Recht“. Und das seit 34 Jahren, schon alleine aus Berufsgründen. Damals eröffnete der Anwalt seine Kanzlei an der Mittelstraße in Haßlinghausen. Doch schon 48 Monate später ging es langsam vorbei mit dem Recht haben, Mayer wurde als Notar vereidigt.

Heute erinnert in seinem Büro nur noch eine alte Vitrine mit Modellautos an die Gespräche mit den Mandanten. „Ich habe mit den Modellen manchmal einen Unfallhergang nachgestellt“, erzählt der 64-Jährige. Die notarielle Tätigkeit fülle mittlerweile seinen kompletten Arbeitstag, seit 20 Jahren mache er nichts anderes mehr. Vor acht Jahren stieß sein Kollege Joachim Euler (55) dazu, ebenfalls Anwalt und Notar, um ihn zu entlasten. Euler übernimmt einen Teil der notariellen Tätigkeiten und streitet als Anwalt für die Mandanten vor Gericht. Seitdem trägt die Kanzlei schlicht den Namen „Mayer & Euler“.

Zur Neutralität verpflichtet

Im Gegensatz zu einem Anwalt ist ein Notar zur Neutralität gegenüber den Parteien verpflichtet. Auch Mayers Söhne Matthias (34) und Ronald (31) arbeiten in der Kanzlei als Anwälte. Der dritte Sohn, Andreas Mayer, unterhält eine Kanzlei in Hessen, Tochter Susanne studiert Tiermedizin. Matthias und Ronald Mayer sind übrigens keine Notare. „Das wird so schnell auch niemand mehr“, sagt Hubertus Mayer. Die Zulassungsvoraussetzungen sind höher geschraubt worden. „Die Prüfung, die jeder Anwalt dazu ablegen muss, ist wie ein 3. Staatsexamen“, meint Sohn Ronald. Dazu werde ein Notar nach Bedarf bestellt.

„Und Bedarf wird es in den nächsten fünf bis zehn Jahren wohl nicht geben.“ Doch was genau macht ein Notar? „Also eigentlich ist die Arbeit eines Notars so dröge wie nur was - auf den ersten Blick“, so Senior Mayer. Und wer einmal die Hauptaufgaben eines Notars überfliegt, der ahnt es schon: Das riecht nach Papierkrieg. Die Arbeit des Notars dreht sich um Grundstücks-, Erb-, Familien- und Gesellschaftsrecht.

Der Notar: „Ich kümmere mich um Beurkundung von Testamenten, stelle Erbverträge aus und werfe einen Blick ins Grundbuch beim Grundstücksrecht.“ Trockene Arbeit? Nicht immer, wie Mayer findet. „Manchmal ist es traurig, wenn ich ein Testament bei einem Sterbenskranken ausstelle, oft in Begleitung mit dem Hausarzt, der mir die Zurechnungsfähigkeit seines Patienten bestätigen muss.“

Grotesk und zum Schmunzeln

Manchmal kann es auch ein wenig grotesk sein: „Wenn sich bei der Ahnenforschung eine ungeahnt große Verwandtschaft auftut, uneheliche Kinder auftauchen und Ähnliches.“

Und manchmal ist es zum Schmunzeln. „In einem Bankschließfach, das die Parteien unbedingt geöffnet haben wollten, ist ein Testament aufgetaucht, das nur einen Einzigen als Alleinerben ausgewiesen hat.“ Oder es müssen spannende Recherchen per Luftbild gemacht werden. „Wo man die Fahrspur sieht, darf der Bauer drüber laufen“, zitiert Mayer sinngemäß einen Eintrag aus dem Grundbuch. Nur: Das Wegerecht blieb bestehen, der Weg nicht. „Da, wo der Weg war, ist heute Wald.“ Und da half schließlich nur noch die Recherche mit alten Luftaufnahmen. Und bei solchen Fällen findet Mayer, dass alles gar nicht so trocken ist.