Diebstähle: Urteil gegen Flüchtling

Andreas Eichhorn
Amtsgericht verurteilt gerade erst volljährigen Algerier wegen fünf Taten zu einem halben Jahr Jugendstrafe auf Bewährung und zwei Wochen Arrest.

Sprockhövel.  Ein 18 oder 19 Jahre alter Flüchtling aus Algerien – das Alter konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden – ist vom Schöffengericht des Amtsgerichts Hattingen wegen fünf Diebstählen zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten Jugendstrafe sowie zu zwei Wochen Arrest verurteilt worden. Der junge Mann lebte nach eigenen Angaben seit etwa einem halben Jahr bis vor kurzem in der Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle Haßlinghausen, sei gerade aber in eine Sprockhöveler Wohnung umgezogen.

Zwischen Ende Januar und Ende Juni soll er laut Anklage an acht Diebstählen beteiligt gewesen sein oder diese selbst verübt haben. Außerdem soll er drei Mal schwarzgefahren sein. Bis auf eine Tat gestand er alle Vorwürfe ein. Darunter waren zum Teil mit anderen begangene Diebstähle von Pullovern, Jacken, Sportschuhen, Fußballtrikots und einem Frauenparfum im Wert zwischen 79 und 320 Euro je Tat. Die Taten wurden in großen Warenhäusern in Hagen und einem Sportgeschäft in Iserlohn begangen. Meist knipste der junge Mann oder ein Mittäter das Preisschild mit einer Zange ab, zog die Sachen an und verließ den Laden, ohne zu bezahlen. Das Parfum warfen sie laut Anklage über die Lichtschranke am Ausgang.

Ein Diebstahl unklar

Die Beteiligung des jungen Mannes am Diebstahl von vier Lautsprechern aus einem Fachgeschäft in Hagen am 7. Februar konnte vor Gericht nicht zweifelsfrei geklärt werden. Ein 55-jähriger Sicherheitsmann war als Zeuge geladen und berichtete, dass zunächst ein Mann in den Laden gekommen sei und die Ware markiert habe. Dann hätten zwei weitere Männer eines der Lautsprecherpakete an einen anderen Platz im Regal gestellt und schließlich habe ein Dreierteam den Lautsprecher ausgepackt, um ihn mitgehen zu lassen. „Das ist eine bekannte Masche“, berichtete der Sicherheitsmann.

Da er allerdings nicht mehr sicher war, was der zum Dreierteam gehörende Angeklagte genau getan hatte und die Überwachungsvideos dem Gericht nicht vorlagen, wurde dieser Fall nicht weiter verfolgt.

„Ich hatte zu wenig Geld“, sagt der junge Mann als Grund für seine Taten. Außerdem sei er spielsüchtig. Um die Umstände zu verstehen, fragte Richter Frank Waab ihn nach seiner Vorgeschichte. Er habe mit acht Jahren seine Eltern verloren, dann bei seinen Großeltern in Algerien gelebt und diese dann von einem auf den anderen Tag verlassen. „Ich habe keine Zukunft gesehen“, sagte er. Mit einem Schiff kam er nach Italien, jobbte dort auf dem Feld und kam dann nach Deutschland. Jetzt besuche er ein Berufskolleg in Hagen und lerne Deutsch. „Ich will arbeiten und nicht mehr klauen“, sagte er. Er bekommt nun einen Bewährungshelfer und ist verpflichtet, regelmäßig zur Schule zu gehen.