Demenzkranke ziehen sich aus dem Leben zurück

Der Künstler Ulrich Rölfing seine Porträts von Demenz-Kranken vor. Anschließend Gabriele Baumert den Besuchern wissenswertes über das Krankheitsbild mit auf den Weg.
Der Künstler Ulrich Rölfing seine Porträts von Demenz-Kranken vor. Anschließend Gabriele Baumert den Besuchern wissenswertes über das Krankheitsbild mit auf den Weg.
Foto: Bastian Haumann

Sprockhövel..  Zum Thema Demenz hatte das Kompetenznetzwerk Demenz Hattingen und Sprockhövel zu einer Vernissage des Hamburger Kunstmalers Ulrich Rölfing in die Freiwilligenbörse Haßlinghausen eingeladen.

Rölfing porträtierte demenziell veränderte Menschen. „In ihren Gesichtszügen blieb das bewahrt, was ihr Leben vor der Erkrankung ausmachte“, sagte der Künstler. Die Vernissage rundete ein Vortrag mit dem Titel „Das Bild hängt schief“ von der Psychologin Gabriele Baumert ab, in dem sie einen Einblick in die Welt der Menschen mit Demenz gab. Die Porträts, die während der nächsten vier Wochen in der Freiwilligenbörse zu sehen sind, bilden Menschen ab, die in der Tagespflege Haus am Turm betreut werden. Malen sei eine andere Art der Kommunikation, sagte Gabriele Baumert in ihrem Vortrag, die ihre Zuhörer mit einem Gedankenexperiment einstimmte. „Stellen sie sich vor, sie sind in einem chinesischen Dorf“, sagte sie. „Doch jeder geht davon aus, dass sie ihn verstehen und jeder weiß über alles bescheid – nur sie selbst nicht.“ Demenzkranke, so Baumert, ziehen sich mehr und mehr aus der Gesellschaft zurück. „Da fehlt mal ein Name oder es wurde irgendetwas anderes vergessen.“ Der an Demenz erkrankte Mensch suche nach Ausreden, um nicht ausgehen zu müssen, um nicht mit seinen Fehlern konfrontiert zu werden. Irgendwann wendeten sich die Freunde ab. „Mit dem kann man ja nicht mehr reden, mit dem kann man nichts mehr machen“, heiße es da. Bei Angehörigen sei es genau andersherum. Nach einer Diagnose komme ihnen häufig der Gedanke: „Jetzt muss ich für ihn alles machen.“ Besucherin Martina Lorenz hat dies selbst erlebt. Ihre Mutter – eine der porträtierten Damen, ist seit elf Jahren an Demenz erkrankt. Als die Diagnose kam, sei sie in ein Loch gefallen. Sie habe sich intensiv mit der Krankheit beschäftigt, Pflege organisiert und für sich ein Netzwerk organisiert.

 
 

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