Das Ohr im Test

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Im „Hörmobil“ geht es um Dezibel und Frequenzen. Die größte Gefahr ist Umweltlärm.

Sprockhövel.. Das „Hörmobil“ machte in Haßlinghausen Station auf dem Rewe-Parkplatz und bot kostenlose Tests an. Wahrgenommen wurde das Angebot vor allem von Älteren.

„Ich war vor Jahren mal beim Ohrenarzt“, sagt Renate Hausherr (73), als sie aus dem „Hörmobil“ steigt. Es sei alles in Ordnung gewesen, aber an der Grenze. Jetzt hat sie ihre Ohren noch mal überprüfen lassen, und auf einer Seite gebe es eine leichte Schwäche.

Solche Schwächen zu erkennen, sei sehr wichtig, sagt Britta Faust, Inhaberin des Hörgeräteakustikers Faust an der Haßlinghauser Mittelstraße. „Man merkt zunächst nichts, es tut nicht weh.“ Zunächst bemerke man Schwierigkeiten mit dem Hören bei Gesprächen, aber man beziehe sie nicht auf sich. Schließlich kann es noch andere Gründe geben: Der Gesprächspartner spricht undeutlich, oder es ist zu laut im Umfeld. Auch ist es in manchen Situationen einfach, das Problem zu umgehen – dann wird der Fernseher eben lauter gestellt.

Zwischen sieben und zehn Jahren dauere es, bis Menschen mit Hörschäden den Weg zum Hörgeräteakustiker oder Arzt fänden. „Dabei ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Hörgeräteversorgung anzufangen, denn wir wissen mittlerweile, wie wichtig das Gehirn zwischen den Ohren ist.“ Durch den Schaden der Ohren würden auch andere Prozesse verlangsamt.

Paul Bilitzky (81) wartet vor dem Mobil auf den Test. Er sagt mit einem Lachen: „Meine Frau meint, ich verstehe sie schlecht.“ Vor dem Rewe-Markt nehmen vor allem Ältere das Angebot des Hörmobils wahr. Dabei sind die Jungen auch gefährdet. Der Walkman ist nicht mehr im Trend, aber er ist nur abgelöst worden, durch MP3-Player oder Handy. Britta Fausts Erfahrung zeigt, dass Hörer lauter Musik früher Probleme mit den Ohren bekommen. Sie habe manchmal mit Jugendlichen zu tun, die schlechter hörten als sie mit 53 Jahren.

Dabei ist nicht nur die Lautstärke entscheidend, sondern auch die Dauer der akustischen Belastung. Sie selbst habe einmal eine Untersuchung des Hörvermögens bei Fernkraftfahrern durchgeführt. Das Ergebnis: schlecht, vor allem für die linken Ohren der Trucker – „wegen des heruntergelassenen Fensters.“

Was also kann man tun, um Hörschäden zu vermeiden? Ganz einfach fällt die Antwort nicht aus, und sie läuft auf die Umstellung des Lebensstils hinaus. Man müsse auf die „Hörhygiene“ achten, sagt Britta Faust. Das bedeutet: Den Wecker nicht voll aufdrehen, das Autoradio leiser machen. „Und zu Hause nicht sofort den Fernseher anmachen – einfach mal die Stille suchen.“ Sie selbst mache das auch. „Deswegen wird das kein einfacher Tag für mich“, sagt Faust mit Blick auf den Verkehr vor dem Rathausplatz.

Das „Hörmobil“ wird von der „Fördergemeinschaft Gutes Hören“ auf Tour geschickt, die von Hörgeräteakustikern und der Industrie finanziert wird. Die Resonanz in ihrem Geschäft sei gut, sagt Britta Faust, vermutlich, weil ein Test anonym einfacher sei. Man hat ein Ergebnis und kann dann immer noch selbst entscheiden, was man damit anfängt. „Beim Hörgeräteakustiker muss man sich bekennen: Ich höre schlecht.“

 

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