Bürger wollen Ratsbeschluss kippen

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Flüchtlingsunterkünfte sollen an sechs Standorten errichtet werden. Initiativen für Bolzplatz und Gedulderweg streben Bürgerbegehren an.

Sprockhövel..  Die Bürgerinitiative, die den Bolzplatz erhalten will, auf dem die Stadt den Bau von Unterkünften für Flüchtlinge plant, will per Bürgerbegehren den entsprechenden Ratsbeschluss kippen. Derweil kommt die Stadt an ihre Grenzen. „Unser Wohnraum ist endlich“, sagte Bürgermeister Ulli Winkelmann. Allerdings sei unterdessen die kleine Turnhalle, die als Unterkunft diente, wieder freigezogen worden. In absehbarer Zeit werden aber auch dort wieder Plätze gebraucht.

Es gibt zwar insgesamt sechs Standorte, die Verwaltungsangestellte und Kommunalpolitiker für die kurz- und mittelfristige Unterbringung auserkoren haben. Doch die Zeit drängt. Häuser werden kaum rechtzeitig fertigzustellen sein, Wohncontainer haben lange Lieferzeiten, Holzbauweise kommt nicht infrage. Über beheizbare Zelte wird nachgedacht.

Und während die Stadtverwaltung nach Unterbringungsmöglichkeiten sucht, zeichnet sich an anderer Stelle erneut Widerstand ab. Per Ratsbeschluss war der Bau von Unterkünften an den sechs Standorten beschlossen worden. Den will die Bürgerinitiative, die den Bolzplatz erhalten wollte, noch in diesem Jahr kippen. Dafür will sie gemeinsam mit der Inititative Gedulderweg ein Bürgerbegehren starten. „Wir fühlen uns von der Stadtverwaltung und der Politik in Sprockhövel an der Nase herumgeführt und können das so nicht akzeptieren“, äußert sich die Initiative in einer Mitteilung.

Aktuell beherbergt Sprockhövel 231 Flüchtlinge, die über die Regelzuweisung zugeteilt wurden. Hinzu kommen die 150 Menschen, die eine vorübergehende Bleibe in der Haßlinghauser Dreifach-Sporthalle gefunden haben. Diese dient seit Mitte September als Notunterkunft. Flüchtlinge, die dort untergebracht sind, werden auf die Regelzuweisung angerechnet. Doch das sorgt nur für ein dünnes Polster. „Im Dezember werden wir wahrscheinlich erneut Zuweisungen bekommen“, sagte der Stadtkämmerer. Noch stehen 35 Plätze in der dezentralen Unterbringung zur Verfügung. Dann werde wahrscheinlich erneut die kleine Turnhalle Haßlinghausen gesperrt werden müssen. Diese bot bisher Platz für 54 Personen, der durch den Einsatz von Etagenbetten verdoppelt werden soll.

Kaschel rechnet damit, dass der Stadt 2016 monatlich 55 Flüchtlinge zugewiesen werden. Der Kämmerer veranschlagte dafür Kosten von 2,7 Millionen Euro. Er geht davon aus, sie auf 8,9 Millionen hochsetzen zu müssen. Für die städtischen Finanzen ist die Flüchtlingssituation eine Zerreißprobe. Die Stadt muss als Stärkungspaktkommune 2016 einen ausgeglichenen Haushalt einbringen.

 
 

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