11. Gebot: „Du sollst Dich erinnern“

Auf traurige Weise erhielt der Vortrag Lokalkolorit, weil die erste organisierte Bücherverbrennung am 1. April 1933 in Wuppertal vor dem Barmer Rathaus inszeniert wurde.
Auf traurige Weise erhielt der Vortrag Lokalkolorit, weil die erste organisierte Bücherverbrennung am 1. April 1933 in Wuppertal vor dem Barmer Rathaus inszeniert wurde.
Foto: Privat
Die Bibliothekarin des Bildungszentrums der IG Metall, Gabriele Reckhard, begrüßte die Gäste, die zum Vortrag des Journalisten Hajo Jahn gekommen waren, gleichermaßen herzlich wie auch nachdenklich und selbstkritisch: „Viele Bibliothekare waren Erfüllungsgehilfen des NS-Regimes“ erinnerte sie an die Bücherverbrennung, mit der das fremdenfeindliche NS-Terrorregime gegen das freie Denken zu Felde zog.

Sprockhövel..  Die Bibliothekarin des Bildungszentrums der IG Metall, Gabriele Reckhard, begrüßte die Gäste, die zum Vortrag des Journalisten Hajo Jahn gekommen waren, gleichermaßen herzlich wie auch nachdenklich und selbstkritisch: „Viele Bibliothekare waren Erfüllungsgehilfen des NS-Regimes“ erinnerte sie an die Bücherverbrennung, mit der das fremdenfeindliche NS-Terrorregime gegen das freie Denken zu Felde zog.

Sie skizzierte in einem Parforceritt durch die NS-Geschichte, wie Zeitungen verboten und Gewerkschaftshäuser überfallen und geschlossen, Gewerkschaftsvermögen konfisziert und Gewerkschaftsfunktionäre terrorisiert und ermordet wurden. Hajo Jahn, Journalist, Autor, bekennender Sozialdemokrat und Vorsitzender der Wuppertaler Else-Laske-Schüler-Gesellschaft, stellt dem Auditorium die Frage: „Sie kennen die zehn Gebote...?“ Er fügt als Zitat das 11. Gebot, formuliert von der Autorin, Regisseurin und DDR-Bürgerrechtlerin Freia Klier, hinzu: „Du sollst Dich erinnern!“

Bücher brannten in Wuppertal

80 Jahre nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler half Jahn der Erinnerung der Gäste auf die Sprünge; er nahm die Gäste mit auf eine bebilderte Reise durch die schändliche Geschichte der Bücherverbrennung. „Bis heute glauben die Herrschenden, durch die Vernichtung von Literatur auch das Denken und kritische Reflektieren attackieren beziehungsweise verhindern zu können“, erläuterte Hajo Jahn. Salman Rushdies „Satanische Verse“, die 1989 loderten, die Bibliothek im niederländischen Leuwen, die 1914 auf Befehl des deutschen Kaisers in Flammen aufging, das „Gedächtnis Afrikas“, das im vergangenen Jahr im afrikanischen Timbuktu brannte, oder die Verbrennung deutscher Bücher in den USA, als diese sich 1917 ins Geschehen des 2. Weltkriegs einmischten, seien nur einige Beispiele dafür, dass sich Bücherverbrennungen durch die Geschichte zögen. Auch der Bestseller „Harry Potter’“ sei unter dem Vorwand, Anleitung zur Hexerei zu sein, von urchristlichen Gemeinden in USA verteufelt und verbrannt worden. Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Bertold Brecht, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky – mehr als 120 Schriftsteller standen auf der „verbotenen Liste“ der Nazis, die Sammlung und Verbrennung Tausender von Büchern war der Auftakt zum Verbot der so genannten „Entarteten Kunst“. Auf traurige Weise erhielt der Vortrag Lokalkolorit, weil die erste organisierte Bücherverbrennung am 1. April 1933 in Wuppertal vor dem Barmer Rathaus inszeniert wurde.

 
 

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