Zwei Polizisten aus Oberhausen wurden nach Täuschungs-Vorwurf suspendiert

Der vermeintliche Tatort: die Knappenhalde im Oberhausener Osten. Was genau am Abend des 14. Juni an diesem Ort geschah, liegt noch immer im Dunkeln. Die Ermittlungen, so Staatsanwalt Nowotsch, gingen jedenfalls intensiv weiter. Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool
Der vermeintliche Tatort: die Knappenhalde im Oberhausener Osten. Was genau am Abend des 14. Juni an diesem Ort geschah, liegt noch immer im Dunkeln. Die Ermittlungen, so Staatsanwalt Nowotsch, gingen jedenfalls intensiv weiter. Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Überraschende Wende im „Fall Knappenhalde“: Der angebliche Angriff auf zwei Polizisten war wohl vorgetäuscht. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, wird das Ansehen der Polizei Schaden nehmen“, so der Vorsitzende der Oberhausener Polizei-Gewerkschaft.

Oberhausen. Wochenlang hat die Polizei ermittelt, um den vermeintlichen Überfall auf zwei Beamte an der Knappenhalde in Oberhausen am 14. Juni aufzuklären. Jetzt liegt ein erstes Ergebnis vor: Die Straftat war offenbar vorgetäuscht. Die Folge: Die beiden Beamten, die scheinbar an jenem Dienstagabend Opfer unbekannter Schläger geworden sind, wurden vom Dienst suspendiert, bis die Einzelheiten dieses Falles geklärt sind.

Weder die Staatsanwaltschaft Duisburg noch die Oberhausener Polizei waren am Dienstag zu detaillierteren Stellungnahmen bereit. „Wir stehen erst am Anfang der weiteren Ermittlungen“, so Oberhausens Polizeipressesprecher Johannes Paus. Auch Detlef Nowotsch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, gab sich bedeckt: „Die Motivforschung läuft noch. Wir können und wollen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sagen.“

Es ist unklar, ob die Polizisten überhaupt verletzt waren

Zur Erinnerung: Die beiden nun suspendierten Polizeibeamten hatten behauptet, sie seien am Abend des 14. Juni von unbekannten Tätern attackiert und verletzt worden. Angeblich soll ein nicht zu identifizierender Zeuge die beiden angeblichen Opfer auf einen möglichen Drogendeal an der Knappenhalde hingewiesen haben. Als sie dort eintrafen, seien sie unvermittelt angegriffen worden, erzählten die Polizisten. Beide Beamte kamen ins Krankenhaus. Damals hieß es, dass sie erhebliche Verletzungen erlitten hätten; einer von ihnen lag sogar kurzzeitig auf der Intensivstation.

Inzwischen ist unklar, ob die Beamten überhaupt Verletzungen erlitten haben. Staatsanwalt Nowotsch: „Wenn man mit angeblichen Schmerzen ins Krankenhaus kommt, wird man auf jeden Fall genau untersucht, um die Ursache zu finden.“

Um die Rätsel dieses Falls aufzuklären, wurde eine Ermittlungskommission eingerichtet, die jedoch vergeblich auf Zeugenhinweise aus der Bevölkerung wartete. Es gab weder eine Spur zum Tippgeber noch zu den Tätern oder dem Tatwerkzeug. Befragungen im Umfeld der Knappenhalde führten ebenfalls auf keine Spur. Polizei-Sprecher Paus sagte schon damals ausdrücklich: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Da der Überfall mit allen Begleitumständen offenbar vorgetäuscht war, wie nun herauskam, verstehe man auch, warum sich kein Zeuge gemeldet hat, gab Johannes Paus am Dienstag an. Die Ermittlungen, so Nowotsch, gingen jedenfalls intensiv weiter. Die Vernehmungen der beiden Beamten würden fortgesetzt.

Über Motive lässt sich derzeit nur spekulieren

Tatsächlich können alle Beteiligten über das Motiv bislang nur spekulieren: Wollte hier jemand eine Berufsunfähigkeitsrente erschleichen? Oder sollte eine andere Straftat vertuscht werden? Sollte sich der Vorwurf der Vortäuschung einer Straftat gegen die Beamten bestätigen, drohen ihnen laut Gesetz Haftstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen, erklärt Staatsanwalt Nowotsch.

Betroffenheit auch bei Volker Serve, Vorsitzender der Oberhausener Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, wird das Ansehen der Polizei insgesamt Schaden nehmen und die Arbeit der Beamten deutlich schwerer.“

Der möglicherweise nur vorgetäuschte Angriff hat auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) auf den Plan gerufen. „Wir beobachten die Vorgänge sehr genau, müssen aber die Ergebnisse des laufenden Ermittlungsverfahrens abwarten“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Gleichwohl ist es in Düsseldorf ein offenes Geheimnis, dass im Innenministerium eine vorgetäuschte Straftat als Bärendienst an der gesamten NRW-Polizei gewertet würde.

 
 

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