Zwei Herzen in der Brust

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Oberhausen.. Als Arjen Robben mit der Präzision einer verbogenen Flinte den Ball im Champions-League-Finale für Bayern München direkt auf Chelseas Torwart Cech bewegte, mussten einige Fußball-Fans reflexartig die Augen verdrehen. Elfmeter verschossen! Da sind doch Kimme und Korn verloren! Der Oberhausener Adrianus Willems (58) sieht es anders. „Elfmeter sind immer eine Glückssache. Die anschließenden Pfiffe hat Arjen Robben nicht verdient!“

Adrianus Willems kann das Fußball-Drama als ein internationaler Experte betrachten. Der lebensfrohe 58-Jährige wurde in Holland geboren und lebt seit 20 Jahren in Deutschland - ist mit seiner deutschen Gattin in Sterkrade heimisch geworden. „Fußball ist mein größtes Hobby!“, sagt er. Und da passt es natürlich prima, dass ein Großereignis seine Schatten voraus wirft. Diese Schatten sieht man bei Adrianus Willems vor allem auf seinem Balkon. Denn: Dort wehen zahlreiche Fahnen und Girlanden in der Sonne.

Bleibt die entscheidende Frage, für welches Land bekennt der Niederländer Farbe? Die Antwort ist einfach: Beide! „Nach meinem Heimatland Holland ist Deutschland meine liebste Mannschaft!“

Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1974

Also ist der Balkon ein Farbenmeer. Schwarz-Rot-Gold und Oranje wechseln sich artig ab. Spaziergänger können bereits von weitem erkennen: Hier schlägt ein Doppelherz. „Freunde und Bekannte freuen sich schon auf die Spiele“, sagt Adrianus Willems.

Denn die Spiele der Europameisterschaft bedeuten bald regelmäßig: volle Hütte! Mit dem passenden Schmuck. „Wir gucken dann gemeinsam in unserem Wohnzimmer. Zu den deutschen Spielen ziehe ich mir ein Deutschland-Trikot an - und anschließend wenn Holland spielt: Oranje!

Bereits 1974 hat er ein großes Turnier intensiv erlebt. Damals am niederländisch-deutschen Grenzgebiet. Das Finale: Deutschland gegen die Niederlande. Adrianus Willems erinnert sich: „Nach dem Spiel gab es an der Grenze einen spontanen Trikottausch.“ So sollte, meint der Niederländer, auch der Fußball gelebt werden. Emotionen, mitfiebern - und danach ein friedliches Miteinander.

Mehr bunte Häuser in der Stadt

Dazu gehört eben auch der richtige Schmuck. Von der WM 2006 in Deutschland war Adrianus Willems besonders beeindruckt. „Damals haben alle mitgemacht. Die Häuser waren toll geschmückt.“ Auch er selbst hatte sich damals etwas Besonderes ausgedacht. „Ich habe mich mit den Flaggen von den Niederlanden und Deutschland verkleidet. Ich habe mir sogar eine Oranje-Krone aufgesetzt.“ Auch jetzt würde er gerne mehr bunte Häuser in der Stadt sehen. „Aber vielleicht bin ich einfach nur zu früh dran!“ Sein Balkon könnte jedenfalls als Vorbild dienen.

Ursprünglich hat Adrianus Willems als Bergmann gearbeitet - in Aachen. Mittlerweile genießt er seinen Vorruhestand. Und nun kommt es bei der EM in der Vorrunde auch noch zum Duell „seiner“ Nationen. Wer soll gewinnen? „Das wird der Bessere sein!“

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