Zug um Zug zum verdienten Platz

Stephanie Weltmann
Foto: KITEV

Leuchtturmprojekt. Zu diesem Wort hat Oberhausen eine zwiespältige Beziehung.

Muss es gar nicht, sagt der Verein „Kunst im Turm“ (Kitev), der sich seit Jahren für die Wiederbelebung des Turms am Hauptbahnhof stark macht. Neben Klangkörper und Ausstellungsraum bekommt er nun eine neue Funktion: Er wird zum Leuchtturm.

Ein Leuchtturm mit sechs Fenstern und viel Technik. Im oberen Bereich des Funkturms, gleich unter der Decke des ehemaligen Wasserspeichers, hängen bereits sechs Beamer, die über Spiegel künstlerische Filme in die schmalen Fenster projizieren. Samstagabend, ab 21 Uhr, wird das zum ersten Mal vom Museumsbahnsteig aus zu sehen sein.

So kann man das vereinfacht sagen. Wer es genauer will, der sollte Samuel Kress von Artronis Visual zuhören: „Damit die Filme an die Größe der Fenster angepasst sind, gibt es im Internet eine Anwendung, über die man sein Material entsprechend beschneiden und zusammenstellen kann“, sagt er. Die fertigen Videos können dann entweder in einem oder über alle sechs Fenstern abgespielt werden. „Die Koordination läuft über das Internet.“

Bis zu sechs Stunden sollen die Filmprojekte jede Nacht gezeigt werden, „tagsüber können Künstler die Software benutzen, um an ihren Filmen zu arbeiten“, sagt die Architektin Agnieszka Wnuczak. Noch ist die Web-Schnittstelle nicht öffentlich zugänglich. Das soll sich ändern, sobald das Projekt endgültig in trockenen Tüchern ist, verspricht sie und plant bereits, wie man die Videos mit dem seit 2005 bestehenden Audioprojekt kombinieren kann.

Finanziert wurde das Projekt hauptsächlich vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Burkhard Zeppenfeld, stellvertretender Leiter am Oberhausener LVR-Schauplatz, weiß das Geld gut investiert: „Der Bahnhof hat es verdient, dass er mehr und mehr ins Zentrum rückt.“ Deshalb war für Zeppenfeld auch klar, dass der LVR Material für das erste Turm-Programm liefern sollte: Samstagabend sind Bilder von der St.-Antony-Hütte sehen.

Samuel Kress betont aber, dass es sich um keine exponierte Werbefläche handele, sondern um eine Plattform für Kunstprojekte: „Der Turm wird kein Newsticker sein, er kann aber im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen genutzt werden.“ Über die internetbasierte Technik verspricht sich Kress internationale Rückmeldung: „Zur Soundinstallation etwa melden sich viele Amerikaner an.“

Den Bürger wird’s freuen: Nach Bild und Ton werden sich die Künstler als nächstes mit der Bahnhofsuhr befassen.