Zu ehrgeizig? „Auf keinen Fall“

 Marie Luise Dött (CDU)
Marie Luise Dött (CDU)
Foto: WAZ-FotoPool

Oberhausen.. Bei der Umsetzung der Energiewende hakt es. Dabei hängt auch vor Ort vieles davon ab, wie schnell der Ausbau erneuerbarer Energien vorangeht. Als umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag ist Marie-Luise Dött (CDU) mittendrin, wenn es um das Thema geht. Ein Gespräch mit der Oberhausener Bundestagsabgeordneten.

NRZ: Hat man dieses Mammutprojekt nicht richtig angepackt?

Marie-Luise Dött: Das sehe ich nicht so. Wir haben zur Zeit allerdings ein Problem mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Der läuft so rasant, dass die Speicher und Netze nicht mithalten. Wir müssen da jetzt nachjustieren.

In NRW ist der Anteil erneuerbarer Energien immer noch sehr gering.

Dött: In NRW hängen wir im Bereich erneuerbare Energien hinterher, aber das kann man aufholen. Dafür haben wir dort große Absichten bei Investitionen in Kraftwerke, die besonders energieeffizient sind. Wir müssen in Nordrhein-Westfalen grundlastfähig bleiben. Besonders für das Industrieland NRW ist die Energiewende eine Riesenherausforderung.

Braucht es statt zahlreicher einzelner nicht vor allem ein Gesamtkonzept?

Dött: Natürlich sollte man das Ganze im Auge behalten. Ich bin nicht so sehr dafür, dass jetzt jede Kommune sagt, sie muss unbedingt CO2-frei sein. Man muss über den Tellerrand schauen. Zur Zeit guckt jeder auch ein Stück weit nach seinem eigenen Vorteil und danach, wie er Förderung bekommt.

Investoren gewinnen

Das Oberhausener Handwerk hat gerade eine Energiegenossenschaft gegründet. Wie bewerten sie ein solches Engagement?

Dött: Ich finde es großartig, dass das Handwerk sich mit dem Thema beschäftigt. Die Idee der Genossenschaft kann ein Modell sein, aber man muss dabei gucken: Wer macht es, wer hat den Profit und wer zahlt?

Der Kreishandwerksmeister sagt, Oberhausen sei in Sachen erneuerbare Energien derzeit noch „Diaspora“. Sehen Sie das auch so?

Dött: Nein, die EVO hat schon einiges angestoßen, Stichwort Biogas. Die Städte könnten sich aber noch stärker ihre Flächen anschauen, ob man diese nicht zur Installation von Photovoltaik vermieten könnte. Und: Wie kann man dafür Investoren gewinnen? Andere Regionen machen das bereits ganz schön profitabel – auch im Sinne von ideellem Profit.

"Ich traue Herrn Altmaier sehr viel zu"

Was sagen Sie dem Oberhausener Handwerker, der wegen der unklaren Situation bei der Solarförderung verunsichert ist?

Dött: Ich würde ihm in jedem Fall zu Investitionen raten, er kommt ja gar nicht drum herum. Die, die als erste da sind, sind immer die Gewinner, trotz allen Risikos. Man sollte auch nicht nur deshalb investieren, weil es gerade Fördertöpfe gibt, das Handwerk muss da langfristiger denken.

Der neue Bundesumweltminister wird all das jetzt richten?

Dött: Ich traue Herrn Altmaier sehr viel zu. Er hat viel europäische Erfahrung. Das ist wichtig, denn in der Energiepolitik sind etwa 80 Prozent der Themen europäisch angelegt. Außerdem musste er schon als Parlamentarischer Geschäftsführer die Kontakte zu den Ländern halten, er ist als sehr durchsetzungsstark bekannt. Und er bringt Leute zusammen, die sonst vielleicht gar nicht miteinander reden würden.

Bei der Energiewende muss auch die Industrie eingebunden werden, zu der Sie ja einen guten Draht haben. Wie ist da zur Zeit die Stimmung?

Dött: Auch die Industrie sieht die Energiewende als Riesenherausforderung. Für die Unternehmen ist es spannend, wenn neue Märkte da sind, aber diese Märkte müssen auch eine Nachfrage haben. Alle Staaten um uns herum haben gerade ganz andere Probleme als klimafreundlichen und damit teureren Strom.

"Rechthaberei bringt doch nichts."

Sie standen dem Atomausstieg immer kritisch gegenüber, haben sich aber dem Willen Ihrer Fraktion gebeugt. Unterm Strich: War die Energiewende zu ehrgeizig?

Dött: Auf keinen Fall. Wenn es jemand schafft, dann wir – auch wenn ich mir den Weg dahin hätte anders vorstellen können. Wir haben mit hehren Zielen volkswirtschaftliche Verluste in Kauf genommen und diese Herausforderung müssen wir jetzt meistern.

Sie könnten ja jetzt sagen: Hab’ ich doch gleich gewusst, dass das so nicht funktioniert.

Dött: So bin ich nicht, dafür bin ich viel zu demokratisch. Rechthaberei bringt doch nichts.