Zocker bei der Retrobörse in Oberhausen - Computerspiele als Geldanlage

Sammler im Börsenfieber: Fans von klassischen Computerspielen gingen im Zentrum Altenberg auf Schnäppchen-Jagd. Einige Raritäten sind mittlerweile gute Geldanlagen, andere dienen eher der Nostalgie.
Sammler im Börsenfieber: Fans von klassischen Computerspielen gingen im Zentrum Altenberg auf Schnäppchen-Jagd. Einige Raritäten sind mittlerweile gute Geldanlagen, andere dienen eher der Nostalgie.
Foto: WAZ FotoPool
Wenn unter Zockern das Börsenfieber grassiert, kann es richtig teuer werden: Über lange Warteschlangen mit Fans aus ganz Europa freuten sich die Veranstalter beim 13. Retrotag im Zentrum Altenberg in Oberhausen. Für echte Raritäten zahlen Fans 700 Euro. Doch für viele ist die Veranstaltung ein Festival der Nostalgie.

Oberhausen.. „Oberhausen, Ten Points!“ So in etwa dürften sich die Macher der Retrobörse im Zentrum Altenberg gefühlt haben. Denn am Tag des Eurovision Song Contest in Kopenhagen kamen Fans von klassischen Videospielen aus ganz Europa. Eine Szene, mindestens genauso kunterbunt wie Anhänger des Schlager Grand Prix. Doch neben der Pop-Kultur rund um Pixel und Bytes hat sich ein nicht zu unterschätzender Finanzmarkt gebildet.

Niederländer, Belgier, Schweizer, Österreicher und Engländer sind angereist. Und wenn das Börsenfieber einen packt, treibt das manchmal seltsame Früchte: „Wir werden sogar gefragt, ob wir die Leute gegen einen Obolus schon früher in die Halle lassen“, berichtet Jens Klöpfel, Mitorganisator der 13. Retrobörse. Doch keine Chance! Bei der Jagd nach Schnäppchen erhalten alle Zocker von der „Börsenaufsicht“ die gleichen Chancen.

Zufallsfunde in verstaubten Dachspeichern

Durch den Verkauf eines kleinen Stück Plastiks kann ein erfolgreicher Spiele-Jäger sorglos in den Urlaub fahren. Mehr als 700 Euro bringt zum Beispiel der Videospiel-Klassiker „Megaman“ aus dem Hause Sega ein. Damit hat sich der Wert seit den 90er Jahren locker verdreißigfacht.

Noch schwindelerregender wird es bei „Air Raid“ für den Atari-2600 aus dem Jahr 1982. Ein Zufalls-Fund auf einem verstaubten Speicher brachte für das Original-verpackte Spiel kürzlich 31.600 Dollar auf den Tisch. Ein unversehrter Tyrannosaurus Rex in einem Wandschrank hätte einen Paläontologen wohl kaum mehr erfreuen können. „Diese Spiele sind extrem selten und deshalb bei den Sammlern äußerst begehrt“, erklärt Jens Klöpfel.

In Zeiten von Mini-Zinsen auf Sparkonten könnten selbst findige Finanzfüchse da ins Grübeln geraten. Hinter vermeintlichem Kinderzimmer-Gedöns steckt manchmal ein Schatz. Doch oft ist es schlicht ein Fall für die 5-Euro-Kiste. Nicht alles glänzt!

Retrospiele als Liebe zum Minimalismus

800 Quadratmeter Tisch an Tisch, 40 Händler: Trotzdem geht es bei der Retrobörse natürlich nicht nur um die Moneten. „Es ist die Liebe am Minimalen“, sagt Klöpfel. Technisch sind die Spiele im Vergleich zu heutigen Protz-Grafiken tatsächlich Dinosaurier.

C64, Amiga und Atari haben nach ihrer Zeit eine rege Pop-Kultur entwickelt: Es gibt Magazine, T-Shirts und sogar Radiosender, die charmante Knarzgeräusche aus den 80er Jahren rauf und runter dudeln. Dazu locken Lesungen, Konzerte und Ausstellungen.

"Super Mario" gibt es als Tattoo-Vorlage

Besonders gefragt ist momentan die 90er Jahre Konsole „Super Nintendo“. Kult-Klempner „Super Mario“ hat es sogar als Süßigkeit und Tattoo-Vorlage geschafft.

Im Zentrum Altenberg scharen sich die Fans aber längst nicht nur um digitale Fossile. Es geht auch ohne Technik, dank der Brettspielvariante von „Donkey Kong“. Der Zusatz auf der vergilbten Verpackung lautet: „Lustig wie das Spielhallen-Spiel!“ So viel Nostalgie ist dann wirklich unbezahlbar.

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