Zeitzeuge für Gemeinschaftssinn in Oberhausen

Ein Hingucker ist das Gemeinschaftshaus der Bewohner der denkmalgeschützten Ripshorster Siedlung, schlicht und schön, mitten im Grünen.
Ein Hingucker ist das Gemeinschaftshaus der Bewohner der denkmalgeschützten Ripshorster Siedlung, schlicht und schön, mitten im Grünen.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Eigenheim der Bewohner der Ripshorster Siedlung besticht durch Schlankheit und Transparenz. Gebaut viel Engagement und Eigenleistung.

Oberhausen.. Im Winter warm und gemütlich feiern mit dem Gefühl, man säße draußen im Grünen – das Gemeinschaftshaus der Siedlung Ripshorster Straße ist eine gute Adresse für Feste und Zusammenkünfte. 100 Personen haben darin gut Platz. Doch es ist auch architektonisch und vor allem, was seine Entstehungsgeschichte angeht, ein interessanter Bau, der in der Serie „Häuser haben Gesichter“ einen Platz verdient. Das jedenfalls findet Andrea Rupp­rath, Pressesprecherin der Wirtschaftsbetriebe und Mitglied im Verein „Riwetho e.V.“, dem Bewohnerverein der Denkmal-geschützten Siedlung. Recht hat sie.

Wo einst Lebensmittelladen und Kleinkindschule standen, auf einem Grundstück an der Werkstraße, das die Anwohner schon während des Häuserkampfes in den 80er Jahren gern zum Feiern im Freien nutzten, haben sie es mit viel Herzblut, Eigenleistung und Gemeinschaftssinn geplant und gebaut. Volker Wilke, Vorstandsmitglied der Riwe­tho-Genossenschaft und von Beginn an für den Erhalt der Siedlung engagiert, hat das dokumentiert. „Der Bau wurde 1999 genehmigt und 2001 begonnen. 2005 war das Haus endgültig fertig gestellt“, sagt er. „Es ist eines der letzten nicht dokumentierten Projekte der IBA (Internationale Bauausstellung Emscherpark), die hier im Revier viel bewegte. Es gehört dem Verein, nicht der Genossenschaft.“

Gemeinschaftshaus ist ein Hingucker moderner Architektur

Im Ensemble mit der Bebauung der Stichstraße, die im vergangenen Jahr 100-jähriges Bestehen feierte, ist das Gemeinschaftshaus ein Hingucker moderner Architektur. Aus Holz gebaut, fügt es sich gut in die Umgebung ein. Es wirkt irgendwie anders, trotzdem integriert. Wie haben sie das hinbekommen?

Mit der Idee Holz, passend zum Grün, das das Gebäude umgibt. Mit der Idee, dass alles möglichst transparent sein sollte, weshalb es auf beiden Längsseiten Fensterfronten gibt. Mit der Idee, dass es zwei Terrassen geben sollte, wodurch die Möglichkeit besteht, draußen zu sitzen, in der Sonne oder im Schatten, je nach Wunsch.

Schmal, als Langhaus gebaut, hat das Gebäude einen pavillonartigen Charakter, wirkt kleiner, als es in Wirklichkeit ist. Entworfen hat es das Büro Hübner und Forster, gebaut haben es die Bewohner der Siedlung zunächst als Modell. „Erst haben wir den Platz aufgeräumt“, sagt Wilke, „hier war viel Müll. Dann haben wir das Gelände begradigt und planiert. Das Grundgerüst stand schnell. Beim Dach halfen die Zimmerleute.“ Alles habe immer nach dem Motto funktioniert: Wenn einer weiß, wie’s geht, kann’s der Nächste auch.

5400 Stunden Selbsthilfe

Zum Beispiel ausrangierte Fenster besorgen und einsetzen. „Wir haben am Düsseldorfer Flughafen Scheiben abgeholt, sie entrahmt und hier wieder eingebaut“, sagt Wilke. „Die Höhe der Zwischenhölzer ist durch die Fenster vorgegeben.“ 5400 Stunden Selbsthilfe haben die Siedlungsbewohner investiert und dadurch 83.000 Euro Baukosten eingespart. Gefördert wurde das Projekt Gemeinschaftshaus aus dem Topf „Initiative ergreifen“ des Landes NRW. Insgesamt kostete der Bau 240.000 Euro.

Bewirtschaftet wird das Haus durch Einnahmen aus der Vermietung. Sparsam ist es auch. Erdwärme speist die Heizungen, das Dach ist begrünt. „Einen ökologischen Anspruch hatte die IBA damals schon“, sagt Wilke. Einen integrativen auch: Alles ist barrierefrei.

Siedlungs-Treffpunkt für viele Gelegenheiten

„Im Grünen sitzen, wenn man drinnen ist“ wirbt der Bürgerverein Riwetho e. V. für die Anmietung seines Gemeinschaftshauses für Feste und Veranstaltungen. Von Grünflächen und Bäumen umgeben, entsteht tatsächlich ein einzigartiges Ambiente. Sogar für Filmvorführungen ist das Haus geeignet, die Fensterfronten lassen sich abdunkeln.

Ausgestattet mit Musikanlage, diversen Abspielgeräten und Mikrofon für Reden, Video-Beamer, DVD-Player, VHS-Rekorder und Anschlussmöglichkeiten für PCs, ist das Haus auch technisch gut gerüstet, in der Küche gibt’s einen Getränke-Kühlschrank und Geschirr für 60 Personen. Doch während der Ferien und an Silvester steht das Haus ausschließlich für Treffen der Bewohner der Siedlung zur Verfügung. Hier wird gekocht, gestrickt, musiziert. Hier finden Kindergeburtstage und Feten statt. Hier gibt’s Public-Viewing bei interessanten Fußballspielen. Riwetho steht übrigens für die Anfangsbuchstaben Ripshorster-, Werk- und Thomasstraße in der Siedlung.

 
 

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