Zahl der Handy-Sünder am Steuer steigt in Oberhausen rapide

Der Blick „mal eben“ aufs Handy bedeutet bei etwa 50 Kilometern pro Stunde rund 14 Meter Fahrt im Blindflug. Die Polizei erwischt trotz des hohen Risikos immer mehr Handy-Sünder am Lenkrad.
Der Blick „mal eben“ aufs Handy bedeutet bei etwa 50 Kilometern pro Stunde rund 14 Meter Fahrt im Blindflug. Die Polizei erwischt trotz des hohen Risikos immer mehr Handy-Sünder am Lenkrad.
Foto: Lars Heidrich
  • Aufklärungsarbeit der Ermittler über die Risiken scheint im Sande zu verlaufen
  • SMS schreiben bei 50 Kilometern pro Stunde heißt 14 Meter Fahrt im Blindflug
  • Auch immer mehr Radler nutzen das Handy während der Fahrt

Oberhausen. Dramatisch steigt die Zahl derjenigen, die die Polizei mit Handy am Ohr hinterm Steuer eines Fahrzeuges erwischt. Um mehr als 50 Prozent schnellte diese Zahl nach oben, vergleicht man das erste Halbjahr 2015 mit den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Andreas Wilming-Weber, Sprecher der Oberhausener Polizei, nennt Zahlen: „In der ersten Hälfe 2015 haben wir 477 Verstöße registriert, in diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum schon 757.“ Ein großes Problem: „Unsere intensive Aufklärungsarbeit über die Risiken scheint im Sande zu verlaufen.“

Ignoranz und Unwissen

Der Polizeisprecher bringt es auf den Punkt: „Es gehört schon Ignoranz dazu, trotz aller Informationen über die Gefahren das Handy während der Fahrt zu nutzen.“ Und doch mag er – neben der Ignoranz – auch Unwissen nicht ausschließen: „Vielleicht halten es doch noch zu viele für harmlos.“ Eigentlich dürfte inzwischen jedoch jeder wissen, dass es ein großes Risiko ist, wenn man ein Auto lenkt und gleichzeitig eine SMS schreibt oder liest.

Bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde bedeutet ein Blick aufs Handy etwa 14 Meter Fahrt im Blindflug. „Das reicht, um einen schweren Unfall zu bauen“, macht Wilming-Weber klar. Der zunehmende Trend habe sich nicht erst in diesem Jahr gezeigt. Schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres lag die Zahl der erwischten Handy-Sünder mit 613 deutlich über den 477 ertappten Fahrern der ersten sechs Monate.

Im Jahr 2015 gingen der Polizei also insgesamt 1090 Handy-Sünder ins Netz.

Immer mehr Radfahrer mit Handy am Ohr

„Liegt bei einem Unfall der Verdacht nahe, dass ein Handy im Spiel war, dann wird das in Absprache mit der Staatsanwaltschaft geprüft. Man kann ja Handys auslesen lassen und feststellen, ob und wann sie genutzt worden sind“, sagt der Polizeisprecher. Bislang aber hat die Oberhausener Polizei keinen Unfall registriert, bei dem nachweislich ein Handy im Spiel war.

War bisher lediglich die Rede von Autofahrern, die ihre Aufmerksamkeit eher dem Handy als dem Straßenverkehr widmen, so sind auch immer mehr Radfahrer mit Mobilfunk am Ohr und den Fingern auf der Tastatur unterwegs. Von den 1090 ertappten Handy-Sündern im vergangenen Jahr waren immerhin 68 Radler. 36 Radfahrer waren es bei den Erwischten in den ersten sechs Monaten 2016 (22 im ersten Halbjahr 2015). Auch dies eine deutliche Zunahme.

Wilming-Weber sieht zwar die Erfolge der polizeilichen Aufklärungskampagnen insgesamt eher skeptisch. Dennoch werde auch in Zukunft ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit sein, über die Gefahren der Handy-Nutzung im Fahrzeug zu informieren. „So wichtig kann eine SMS doch gar nicht sein, dass ich dafür mein Leben oder das anderer Menschen aufs Spiel setze“, sagt Wilming-Weber. Warum es dennoch immer häufiger geschieht, ist ihm letztlich ein Rätsel.

 
 

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