Wohnungssuche mit Hürden in Oberhausen

Josef Vogt, Sprecher des Oberhausener Jobcenters.
Josef Vogt, Sprecher des Oberhausener Jobcenters.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
WAZ-Leserin Angelika Stuhlemmer muss aus ihrer schimmligen Wohnung in Oberhausen ausziehen. Doch das Jobcenter redet bei der neuen Bleibe mit.

Oberhausen.. WAZ-Leserin Angelika Stuhlemmer befindet sich in einer misslichen Lage: Weil ihr Lebensgefährte nach der Trennung aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist, darf die Bezieherin von ALG-II-Leistungen nicht länger dort wohnen bleiben. Die Miete ist nun schlichtweg zu hoch. Sechs Monate hätte sie im Regelfall Zeit, um nach einer neuen, günstigeren Bleibe Ausschau zu halten. Doch sie musste schon im Dezember quasi über Nacht das Feld räumen, weil Wasserschäden und Schimmelbefall ihr Zuhause unbewohnbar gemacht hatten. Nun schläft die 59-Jährige bei Freunden auf der Couch und durchforstet täglich das Wohnungsangebot. Doch es ist ihr nicht möglich, so sagt sie, die Anforderungen des Jobcenters an eine neue Wohnung zu erfüllen. Angelika Stuhlemmer fühlt sich unverstanden und im Stich gelassen.

„Mein Fallmanager ist supernett“, sagt die Alt-Oberhausenerin, doch die Termine bei ihrem sogenannten Leistungsberater, der letztlich darüber entscheiden muss, ob die Kosten für eine Wohnung übernommen werden oder nicht, seien unbefriedigend bis ärgerlich. Unter anderem sei Angelika Stuhlemmer aufgefordert worden, sich in Bottrop, Essen oder Duisburg umzusehen, wenn sie in Oberhausen nichts Passendes findet. Das habe sie sehr verletzt.

Kosten für Umzug und Kaution werden nicht übernommen

Was die angeschlagene Jobcenter-Kundin, die wegen zahlreicher Erkrankungen arbeitsunfähig ist, als „arrogant“ empfunden hat, war jedoch vermutlich nur ein ernstgemeinter Ratschlag. Dies erklärt zumindest Jobcenter-Sprecher Josef Vogt auf unsere Anfrage. Was er auch erklärt: Warum es mit den Wohnungen nicht klappt, die Angelika Stuhlemmer im Jobcenter vorschlägt. Diese hätten immer über dem erlaubten Satz gelegen. Der liegt für einen Ein-Personen-Haushalt bei 356,50 Euro Kaltmiete. Dabei darf die Wohnung nicht größer als 50 Quadratmeter sein.

In einem ihrer Vorschläge ging es um nur wenige Euro Differenz. Angelika Stuhlemmer kann nicht verstehen, warum man beim Jobcenter so kleinlich ist. „Das können wir leider nicht genehmigen“, sagt Josef Vogt. Dann zahle sie die Differenz monatlich selbst, hatte die Kundin vorgeschlagen. „Das ist möglich“, erklärt Vogt, „aber in diesem Fall übernimmt das Jobcenter die Kosten für Umzug und Kaution nicht.“ Und das wiederum kann Angelika Stuhlemmer sich nicht leisten.

Ein Teufelskreis. Doch es gibt Hoffnung: Vielleicht schaffe sie es ja, ihren Vermieter in spe um einige Euro herunterzuhandeln, so hofft Angelika Stuhlemmer. Und: Ihr Leistungsberater im Jobcenter hat sie noch einmal zum Gespräch gebeten. Um ihr weitere Kontakte zu Vermietern zu vermitteln, in einem „ruhigen Gespräch“.

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