Wie die Piraten miteinander reden wollen

„Alles muss im Rahmen des Gesetzes bleiben.“ Einem Oberhausener Mitglied der Partei, die sich für freie Meinungsäußerung stark macht, war es nun zu viel der Meinungsäußerung.
„Alles muss im Rahmen des Gesetzes bleiben.“ Einem Oberhausener Mitglied der Partei, die sich für freie Meinungsäußerung stark macht, war es nun zu viel der Meinungsäußerung.
Foto: REUTERS
Was die Streitkultur angeht, zeigen sich die Polit-Neulinge bislang wenig zimperlich. Ein Oberhausener hat nun einen anderen Nutzer eines Parteiforums wegen Beleidigung angezeigt

Oberhausen.. Über den mitunter offenbar rauen Umgangston bei den Piraten wurde bereits viel diskutiert. Zur Zeit geht es auch bei den Oberhausener Piraten hoch her – im Internet. Ein Parteimitglied hat Strafanzeige wegen Beleidigung erstattet. Was die Frage aufwirft, wie es um die Streitkultur bei den Piraten bestellt ist und wie man sich in Sachen Kommunikation künftig aufstellen will.

Was war im konkreten Fall passiert? „Holger Thies von den Piraten ist ein Kollateralschaden der Evolution“, schrieb ein Nutzer über den Kurznachrichtendienst Twitter — und verwies auch im Diskussionsforum der Piraten auf diesen Eintrag. „Damit wurde eine Grenze überschritten“, ärgert sich der Oberhausener Pirat Thies. Er habe die sofortige Entfernung dieser Einträge gefordert – vergeblich.

„Bringt die ganze Partei in Verruf“

„Der gewöhnungsbedürftige Umgangston in den Foren der Piratenpartei hat einen traurigen Höhepunkt erreicht“, meint Thies. Nachdem er Anzeige erstattet habe, gehe es im Forum „hoch her“. Die einen akzeptierten seine Reaktion, die meisten hielten sie allerdings für überzogen. „Es scheint niemand zu verstehen, dass ein solches Verhalten auch die Partei schädigt“, bemängelt Thies. „Ich bin auch kein Mitglied mit Heiligenschein, aber ein solcher öffentlicher Eintrag verstößt gegen alles, was man noch mit zwinkerndem Auge abtun könnte.“

In ihrem Grundsatz-Programm macht sich die Piratenpartei für transparente Politik und die Freiheit im Netz stark. Eine Forderung, die auch Thies unterstützt. Jeder Mensch solle im Internet tun und lassen können, was er möchte, „aber alles, was dort passiert, muss innerhalb des Gesetzes bleiben.“ Er habe Anzeige bei der Polizei erstattet, um den Urheber der Äußerung „in seine Schranken zu weisen. Dieser User bringt alle Piraten in Verruf.“

„Vertrauensvolle Zusammenarbeit geht so jedenfalls nicht“

In die Auseinandersetzung hat sich auch der Oberhausener Landtagsabgeordnete der Piraten, Daniel Düngel, eingeschaltet. „Ihr zieht gerade beide die Piraten in den Dreck“, mahnt er im Forum zur Vernunft. Das Verhalten des Nutzers, von dem sich Thies beleidigt fühlt, finde auch er nicht immer in Ordnung.

„Aber Anzeige erstatten? Bitte. Deine Entscheidung. Erwarte nur nicht, dass die hier irgendjemand gutheißt. Vertrauensvolle Zusammenarbeit geht so jedenfalls nicht“, kommentiert Düngel. Der Vorstand werde sich mit diesem Fall nicht weiter befassen, sagt Achim Müller, Sprecher der NRW-Piraten. Selbstverständlich habe aber jeder das Recht, Anzeige zu erstatten, wenn er sich beleidigt fühle.

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