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Werbe-Millionen für Ruhr-Bühnen

Macher und Werber der Ruhr-Bühnen (v.li.): Axel Biermann, Geschäftsführer Ruhr Tourismus, Jürgen Fischer, Referatsleiter Kultur beim RVR , Intendant Peter Carp, Bettina Pesch, die Direktorin des Theater Dortmund und Lukas Crepaz als Geschäftsführer der Kultur Ruhr GmbH.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Fünf Jahre nach den Ruhr-Kunst-Museen bilden auch die Bühnen einen Werbeverbund
  • Zu den elf städtischen Häusern zählen Sprechtheater, Opernhäuser und Tanz-Podien
  • Die freie Szene allerdings muss bei den Ruhr-Bühnen draußen bleiben
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Oberhausen.. „Wenn ich für mein persönliches Geld eine solche Verzinsung kriegen könnte“, meinte Peter Carp – „ich würde das täglich so machen“. Ein Intendanten-Jahresgehalt ist es zwar nicht – aber ein halbes. Denn ein Einsatz von 3000 Euro Jahresbeitrag „erlöst“ für jede der elf Ruhr-Bühnen in den nächsten drei Jahren fast 75.000 Euro – „aber nur fürs Marketing“, wie Axel Biermann als Chef der (noch in Oberhausen heimischen) Ruhr Tourismus GmbH betonte.

Oberhausens Intendant hatte gestern in die Theater-Bar eingeladen, um den erfolgreichen Start eines neuen Kulturverbundes vorzustellen: Nach den 20 Ruhr-Kunst-Museen, die sich bereits seit fünf Jahren gemeinsam vermarkten, folgen nun die Ruhr-Bühnen (die sich RuhrBühnen schreiben – Design muss sein). Für beide Netzwerke, so Axel Biermann, stehen bis 2019 aus EU- und Landesmitteln für die „kulturtouristische Inwertsetzung“ 1,92 Millionen Euro zur Verfügung – plus 20 Prozent Eigenanteil sind’s 2,4 Millionen. Als erstes Produkt gibt’s die Internet-Plattform ruhrbuehnen.de – Cheftouristiker Biermann pries sie als „Quantensprung“.

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Zuvor hatte Peter Carp deutlich gemacht, dass es seit der gemeinsamen Theater-„Odyssee“ im Kulturhauptstadtjahr 2010 einige Mühen gekostet hatte, um die Frage positiv zu beantworten: „Warum kriegen wir sowas nicht öfter hin?“ Den nötigen Druck habe koordinierend Jürgen Fischer vom Kulturreferat des RVR aufgebaut: „Er setzte uns Ultimaten.“

Freie Szene ist nicht dabei

Die gemeinsame Werbung in eigener Sache – vom „weltkleinsten“ Stadttheater in Moers bis zur drei Häuser bespielenden Theater und Philharmonie Essen – wende sich nicht nur ans Publikum, so Carp. „Wir sorgen auch für eine höhere Aufmerksamkeit bei der Politik.“ Diese zweite Aufgabe der „Standortsicherung“ verbuchte Oberhausens scheidender Intendant „jetzt schon als eine Erfolgsgeschichte“.

Die geschäftsführende Direktorin der Dortmunder Theater beantwortete mit diesem Aspekt auch die Frage nach den freien Bühnen – die nicht dabei sind. „Wir legitimieren uns mit unserer Vielfalt“, sagte Bettina Pesch – und meinte: gegenüber städtischen Sparzwängen. „Wir können es uns erlauben, konkurrenzfrei zu denken.“ Die freie Theater-Szene dagegen nannte Jürgen Fischer „zu heterogen“ für eine gemeinsame Plattform: „Der reine Ruf ,Wir auch’ reicht nicht!“

Peter Carp verwies darauf, dass keines der Stadttheater, ob klein oder groß, für sich „diesen wirklich komplizierten EU-Antrag“ über die Bühne gebracht hätte. Ein „gemeinsames Abo“ der Ruhr-Bühnen hatte er schon vermisst, als er 2008 die Intendanz des Theaters Oberhausen übernahm. So weit ist es auch jetzt noch nicht. Selbst der Online-Kartenkauf ist über die Seite ruhrbuehnen.de noch nicht möglich. Noch hat jedes Theater sein eigenes Ticket-System.

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