Weiber im Farbrausch

Im Christbaum-Outfit: Eine Homage an die Farbe Grün.
Im Christbaum-Outfit: Eine Homage an die Farbe Grün.
Foto: WAZ-Fotopool

Oberhausen. Weiber inne Bütt: „Seid ihr da? Seid Ihr wild?“ Im „Arbeitsdu“ begrüßt Anja Balzer als Frau Professor Dr. Med. Colour gewohnt charmant das Publikum im ausverkauften Ebertbad. „Nach dieser Nacht wird keine von euch mehr die Selbe sein!“

Spaß an der Freud

Stehend und klatschend begrüßen sie nun das Ensemble, 17 Frauen, die Helau rufend und winkend durch den Mittelgang zur Bühne schreiten, die Umhänge abwerfen und in knallig bunten Kleidern tanzend auf das Motto des Abends einstimmen: Farbrausch. „I need colour, colour is what I need“ singen sie und Frau Professor übersetzt den Titel frei: „Farben sind das A und O unseres Lebens.“

Spätestens jetzt ist klar: Der Abend wird extrem bunt. Frauen tanzen, singen und spielen für Frauen aus Lust am Jecksein, aus Spaß an der Freud. Gemeinsam kreieren sie die verrückte Show.

Für Männer verboten

Ein Thema zieht sich durchs Programm: So funktioniert er seit Jahren, der Altweiberzauber der Ruhrwerkstatt, gute zwei Stunden Unterhaltung plus Schunkelpause ohne Elferrat und Uniformen und selbstverständlich als Damensitzung, zu der Männer keinen Zutritt haben. Selbst die Live-Band besteht aus Frauen. Die Chicks aus Bochum tragen zum Gelingen bei wie die künstlerische Leiterin Susanne Dieterich, Gesangstrainerin Sybille Hummel und Tanzexpertin Birgit Götz.

Fantastische Kostüme

Das Ensemble läuft zur Höchstform auf, pirscht sich von Jahr zu Jahr näher an die Profi-Liga heran, ohne den Charme der Marke Selfe-Made aufzugeben. So bleibt es immer wieder ein Rätsel wie es gelingt, diese fantastischen Kostüme aufzutreiben.

Das Motto beeinflusst auch die Kostümierung der Zuschauerinnen. „Beige geht doch!“, hat sich eine Frau aufs T-Shirt geschrieben, als Reaktion auf den Untertitel zum Farbrausch, der behauptet: „Beige geht gar nicht!“ Das greift Frau Dr. Med. Colour sofort auf: „Du hast ja Recht aber nur drunter!“

Farbe wird zunächst einmal beim Polit-Talk bekannt, Schwarz, Gelb, Grün und Rot bringen Lokalkolorit ins Spiel: Was geschieht mit den Verkäuferinnen, wenn der Kaufhof dicht macht? Bleibt ihnen nur noch das Rotlichtmilieu? Antwort: „Warum nicht? Was auf der Reeperbahn funktioniert, sollte doch auch auf der Marktstraße klappen.“

Pink geht immer

Es folgt ein getanztes Bekenntnis zu Pink: Wir lernen: „Pink ist Wahnsinn, Lebensgefühl, geht immer, drüber und drunter.“ Wir lernen noch viel mehr: Das Schlimmste am Älterwerden ist Beige, der Friedhof der Farbe. Kornblumenbau hilft, den 65. Geburtstag zu überstehen und die Tupperfamilie bringt Farbe ins Leben der Hausfrau, wenn zwischen Zwiebelchen und Salatschleuder der stramme Max gebaut wird – spülmaschinenfest. Wir erleben, wie Karl Lagerfelds Cousine Kollektionen kreiert, dann folgt etwas Großartiges: Die Wunsch-Hitparade der Farben erklingt auf Zuruf der Zuschauerinnen: Weiße Rosen aus Athen, Yellow Submarine, Knallrotes Gummiboot, Azzurro.

Frauen können immer

„Da haben wir für euch zack, zack, ein Potpourri zusammengestellt“, so Frau Dr Colour, „da bleibt keine beige.“ Oder doch? Fräulein Beige lauscht dem Farbgewissen: „Du bist schön wie der Saharawind, von dir wird man nicht farbenblind.“ Aber geil. Konsequenz: Der Gilb verführt das Fräulein. „Nach diesem herrlichen Orgasmus sind wir fast am Ende unseres Programms“, kommentiert Frau Colour die Szene. „Aber wir sind Frauen, wir können noch mal!“ Gut so, denn es folgen die wunderbar frivolen Soul-Sisters und zum Schluss regnet’s rote Rosen ins Publikum.

Zwei Mal füllt der Weiberball der Ruhrwerkstatt mühelos das Ebertbad. Premiere ist traditionell am Altweiber-Donnerstag, doch mittlerweile ist auch der Karnevalsfreitag sehr beliebt bei den Frauen. Eine dritte Schau würde zwar Zuschauerinnen anziehen, ist aber von den Macherinnen, die die Show ehrenamtlich bieten, nicht zu leisten. Umso bedauerlicher ist, dass durch geänderte Bestimmungen nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg einige Ebertbad-Plätze der Sicherheit zum Opfer fielen.

 
 

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