Was Kunden in Oberhausen über das drohende Aus für den City-Kaufhof denken

Stephanie Weltmann
Der Kaufhof-Filiale an der Marktstraße in Oberhausen droht das Aus. Foto: Kurt Michelis
Der Kaufhof-Filiale an der Marktstraße in Oberhausen droht das Aus. Foto: Kurt Michelis
Foto: NRZ
Der Mietvertrag für die Kaufhof-Filiale an der Oberhausener Marktstraße wird vielleicht nicht über 2012 hinaus verlängert. Das war am Montag bekannt geworden. Wir haben uns in der Innenstadt umgehört, was Kunden über das mögliche Kaufhof-Aus denken.

Oberhausen. Unsere Innenstadt ohne Kaufhof? „Das ist wie ein Auto ohne Reifen.“ Am Montag war bekannt geworden, dass der 2012 auslaufende Mietvertrag für den Kaufhof an der Marktstraße nicht verlängert werden könnte. Das hätte die Schließung des Hauses zur Folge. Die Kunden schätzen die freundliche Atmosphäre

Sie schütteln mit den Köpfen. Am Montag war bekannt geworden, dass der 2012 auslaufende Mietvertrag für den Kaufhof an der Marktstraße nicht verlängert werden könnte. Das hätte die Schließung des Hauses zur Folge. Die Kunden des Warenhauses sind darüber bestürzt: „Das wäre ein herber Verlust für die Innenstadt und das Image Oberhausens“, findet Joachim Malert.

"Alles nah beieinander"

Denn: „Nur hier finde ich Sachen, die es nirgends sonst in der Innenstadt noch zu kaufen gibt“, sagt der 55-jährige Dümptener und zieht als Beispiel eine Rolle elastischer Kordel aus der Jackentasche. Die habe er gerade im Kaufhof erstanden. Kleidung kaufe er dort allerdings selten, gibt Malert zu, auch weil das Angebot eher beschränkt sei. Genau das hingegen schätzt Michael Schürmann an der innerstädtischen Filiale. „Die Mode im Centro ist für jüngere Menschen, hier finde ich mal ein Hemd. Außerdem ist alles beieinander, man kann schnell zwei, drei Sachen gleichzeitig erledigen oder in Seelenruhe durchlaufen. Ohne den Trouble im Centro“.

Das schätzt auch Helga Peters an dem City-Haus. Die Sterkraderin war wegen eines Arzttermins zur Marktstraße gekommen, zum Bummeln ging’s spontan zum Kaufhof. „Ich habe nur ein paar Süßigkeiten gekauft“, lächelt die 61-Jähige, an anderen Tagen komme sie aber gezielt, etwa, wenn sie neue Handtücher brauche. „Der Kaufhof ist in der Innenstadt ein letzter Anlaufpunkt, der nicht auch noch wegfallen darf.“

In vielen Innenstädten ist das bereits der Fall: Mit dem Aufkommen von Textildiscountern und großen Fachgeschäften büßten Warenhausketten bundesweit an Umsatz ein. Betrug ihr Anteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels in den 70er-Jahren noch rund 14 Prozent, erwirtschaften diese Häuser mittlerweile nur noch 3,3 Prozent (2009), Tendenz fallend. Seit 1996 wurden bundesweit auch rund 50 Kaufhof-Filialen geschlossen, die übrigen wurden nach dem Galeria-Konzept neu strukturiert.

Innerstädtischer Einzelhandel in der Krise

In unserer Stadt verdickt zusätzlich das Centro den Kundenfluss: Keine drei Jahre nach Eröffnung des Einkaufszentrums war der Umsatz des innerstädtischen Einzelhandels um bis zu 27,6 Prozent zurückgegangen. Frequenzbringer wanderten ab, C&A etwa schloss die Filiale an der Marktstraße und eröffnete in der Neuen Mitte. Das Ladenlokal steht derzeit erneut leer.

Nun auch der City-Kaufhof? Beate Schneider würde das sehr bedauern, für sie ist das Haus ein Treffpunkt. Einmal in der Woche tausche die 74-Jährige sich mit Bekannten bei einer Tasse Kaffee in dem angeschlossenen Restaurant aus, kaufe hier aber auch Bücher und Kinderkleidung für die zwei Enkel, weil die Angebote günstig und der Service gut seien. „Ich wohnte in der Innenstadt, rund um die Marktstraße erledige ich meine täglichen Einkäufe.“ Und das meist mit Hilfe eines Rollators. „In den Kaufhof gehe ich gerne, da öffnet man mir sogar die Tür. Das ist doch sehr freundlich.“ Wichtig sei der Seniorin auch die Kundentoilette. „Darauf ist man manchmal angewiesen.“

"Wie ein Auto ohne Reifen"

Die Marktstraße ohne den City-Kaufhof, das ist für Michael Schürmann „wie ein Auto ohne Reifen. Der Kaufhof ist der letzte Kundenmagnet, ohne ihn ist hier doch Feierabend.“ Der 48-Jährige wünscht sich Engagement des City-Managements, damit der Kaufhof bleibt, selbst wolle er nun Bekannte animieren, häufiger dort einzukaufen.

Stefanie Köttig kommt bereits jeden Tag. Die 32-Jährige arbeitet in einem Rechtsanwaltsbüro in der Innenstadt, „und wenn uns Büromaterial ausgeht, gehe ich schnell zum Kaufhof“. Auch privat kaufe sie hier ein, besonders Kleidung für ihre beiden Kinder. „Von den Textildiscountern halte ich nichts. Da riecht die Kleidung schon schädlich. Im Kaufhof stimmen Angebot und Qualität. Mit dem Service bin ich auch zufrieden.“