Warum Städte wie Oberhausen heute so anziehend wirken

Auf die zentrale Bedeutung der Städte für die Zukunft der Menschheit wies Prof. Görge Deerberg vom Umsicht-Institut hin.
Auf die zentrale Bedeutung der Städte für die Zukunft der Menschheit wies Prof. Görge Deerberg vom Umsicht-Institut hin.
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Familien ziehen inzwischen auch wieder in Städte. Oberhausen kann davon profitieren, sagen Forscher. Die Stadt arbeitet an einer "Vision 2030".

Oberhausen.. Über 30 Jahre lang schrumpften Städte vor sich hin, registrierten Wissenschaftler eine regelrechte Flucht aufs Land – vor allem der Familien und Senioren, die die Ruhe und das Grün schätzten. Doch seit der Jahrtausendwende kehrt sich die Entwicklung um. „Wir erleben eine Renaissance der Städte. Seit 2011 verzeichnen Städte von allen Räumen den höchsten Bevölkerungszuwachs. Der Binnenwanderungssaldo verschiebt sich zugunsten der Städte“, berichtet Angelika Münter vom Dortmunder Institut für Stadtentwicklungsforschung auf dem Kongress „Zukunftsstadt – von der Vision zur Realität“ des Oberhausener Umsicht-Instituts. Die Fraunhofer helfen Oberhausen als Denkschmiede aktiv dabei, eine neue Vision 2030 für die Stadt zu entwickeln.

Die Raumwissenschaftler sind überzeugt davon, dass der positive Stadttrend langfristig ist, von dem – verzögert und abgeschwächt – auch das Ruhrgebiet mit seinen verschiedenen Stadtzentren profitieren wird.

Kurze Wege für Familie und Beruf

Münter nennt dafür gleich mehrere handfeste Gründe. Erstens: Familien können nur mit Hilfe der kurzen Wege zwischen Handel, Arbeit, Freizeit, Sozialdiensten einer Stadt überhaupt Arbeit und Kinder organisieren. Zweitens: Die niedrigen Bauzinsen machen Wohneigentum in Städten im Unterschied zum 20. Jahrhundert bezahlbar. Drittens: Die Wirtschaft entwickelt sich zunehmend zur Wissensindustrie, die wiederum auf enge soziale Netzwerke und Breitband-Infrastruktur setzt – idealerweise heute nur in Städten gut realisierbar.

Jürgen Bertling vom Fraunhofer Umsicht-Institut zeigte sich überzeugt davon, dass wirtschaftlich die Städte von dem Trend profitieren, die sich um die kreative Produktionsszene, um Einzelunternehmer, Existenzgründer und Handwerker kümmern. „Wir waren bisher im Ruhrgebiet oft zu sehr auf Großindustrie und Mittelstand fixiert“, sagt Berling. Die neuen, im Preis stark gesunkenen 3D-Drucker ermöglichen eine neue Produktionsphilosophie: Jeder Einzelne kann vermarktbare Ideen entwickeln und dazu Produkte herstellen – eventuell im lockeren Verbund mit anderen. Es gebe die Chance, Fertigungskapazitäten aus Asien wieder zurück nach Europa in die Städte zu holen. Einen Begriff für diese innovativen Bürger gibt es auch schon: „Prosumer“ – Konsumenten, die gleichzeitig auch zu Produzenten werden.

Das war der Zeitpunkt für die Oberhausener Planungsdezernentin Sabine Lauxen, den Einfallsreichtum der Bürger hier zu loben: Rund 1000 Ideen seien im Visions-Prozess schon zusammengekommen. Eine wichtige Erkenntnis: Oberhausen benötige für neue Netzwerke attraktive öffentliche Räume als Bürgertreff. Und eine Produktionsstätte wird schon bald gebaut: Das Dachgewächshaus auf dem neuen Jobcenter in der City soll Obst und Gemüse für Nachbarn liefern – im Jahr 20 Tonnen.

 
 

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