Warten auf besseres Wetter

David Huth
Die Montagsdemonstranten warten darauf, dass der Regen nachlässt.
Die Montagsdemonstranten warten darauf, dass der Regen nachlässt.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Vor zehn Jahren begannen die Montagsdemonstrationen - auch in Oberhausen. Von anfangs 200 Teilnehmern sind noch rund zehn übrig. Sie lassen sich aber nicht beirren und fordern weiterhin: „Weg mit Hartz IV.“ Die älteren Menschen erreichen sie noch immer mit ihrer Botschaft. Bei den Jüngeren haben sie es schwer.

Oberhausen. Der Regen lässt allmählich nach. Die Teilnehmer der Montagsdemo trauen sich aus ihrem Unterstand hervor. Auf das Ende des Schauers haben sie unter dem Dachvorsprung der Commerzbank-Filiale an der Marktstraße gewartet.

Und irgendwie ist diese Szene sinnbildlich für die zehnjährige Geschichte der zweiten Welle von Montagsdemos in Deutschland. Die Demonstranten warten. Sie warten darauf, dass die Hartz-Gesetze abgeschafft werden. Und in gewisser Weise warten sie damit darauf, dass sich die politische Großwetterlage ändert.

Protest gegen Hartz-Reform

Aber seit 2003 hat sich nur wenig geändert. In diesem Jahr begannen die Montagsdemos in der Bundesrepublik. Sie richteten sich gegen die Hartz-Reform der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder und knüpften damit an die Protestkultur in der ehemaligen DDR an.

Überall in Deutschland gingen die Menschen damals auf die Straße. Auch in Oberhausen waren 200 Leute bei den ersten Kundgebungen dabei. Sie marschierten über die Marktstraße zu den Geschäftsstellen der Parteien und machten ihrem Ärger über die Politik in der Hauptstadt Luft. Ein Ärger, der scheinbar verraucht ist. Von den Demonstranten hat bis heute nur eine kleine Schar durchgehalten, die sich nicht beirren lassen will - auch nicht von schlechtem Wetter.

So greift Helmut Klamser, der Moderator der Montagsdemo, nach dem Mikrofon. Die Jazz-Musik, die zuvor aus den Lautsprechern dröhnte, verstummt. Nun ist die Stimme des Moderators zu hören: „Die Welle der Arbeitsplatzvernichtung hat auch Oberhausen erreicht“, ruft er in die fast leere Fußgängerzone hinein. Den Stellenabbau bei MAN Turbo & Diesel in Sterkrade prangert er an. Auf die Bochumer Erklärung, die im Juli verabschiedet wurde und sich gegen Werksschließungen und Stellenabbau in der Region ausspricht, macht er aufmerksam. Die Themen sind vielfältiger geworden. Und dennoch: Ein Transparent mit der Aufschrift „Weg mit Hartz IV“ hängt zwischen zwei Laternen.

An beiden Seiten der Marktstraße steht der Rest der Gruppe. Sie verteilen Handzettel, die über das Thema der Kundgebung informieren. Die älteren Menschen, die vorbei laufen, nehmen sie gerne an. „Prima“, sagen sie oder „macht weiter so“. Die Jüngeren gehen meist vorbei, belächeln das Treiben auf der Fußgängerzone und sind schnell wieder außer Sichtweite.

Kein Kampf gegen Windmühlen

Dass gerade Jugendliche wenig mit den Zielen der Montagsdemo anfangen können, weiß auch Timm Butenschön. Seit dem Beginn der Bewegung ist er dabei. „Oft werden wir von ihnen gefragt, warum wir denn Hartz IV abschaffen wollen, dann hätten sie doch gar nichts mehr“, sagt er. Dass es nicht darum geht, diese sozialen Leistungen des Staates zu streichen, sondern ein Gesetz abzuschaffen, verstehen sie oft nicht.

Trotz allem ist es für ihn kein Kampf gegen Windmühlen. „Überlegen sie sich mal, wie lange gegen Atomkraftwerke demonstriert wurde, bevor sich etwas geändert hat“, sagt Butenschön. Aufgeben, das will er nicht. Frustriert, das ist er nicht. So werden er und seine Mitstreiter wieder kommen – jeden zweiten Montag.