War die Steag doch zu teuer?

Peter Szymaniak
Sechs Prozent davon gehören jetzt der Oberhausener EVO.
Sechs Prozent davon gehören jetzt der Oberhausener EVO.
Foto: Panoramio Chibcha

Oberhausen. Die Risiken des spektakulären 1,2 Milliarden-Euro-Kaufs des Stromproduzenten Steag von Evonik im Frühjahr dieses Jahres sind offensichtlich doch größer als bisher gedacht. Die Steag muss ein eisernes Sparprogramm fahren und denkt daran, heimische Kohlekraftwerke durch stark gestiegene Kosten eher zu schließen als erst geplant. Wird der Steag-Kauf für die beteiligten sechs Revier-Städte doch zum Minus-Geschäft? War der Kaufpreis eventuell viel zu hoch?

Mit 6 Prozent für etwa 76 Millionen Euro hat sich jedenfalls der städtische Oberhausener Energieversorger EVO an dem fünftgrößten deutschen Stromerzeuger beteiligt.

EVO-Geschäftsführer Hartmut Gieske sprach damals von einem „Jahrhundertdeal“. Die Risiken des Geschäfts, bei dem ausgerechnet arme Revier-Städte weltweit neun Steinkohlekraftwerke und zwei Raffinerie-Kraftwerke betreiben, redete der erfahrene Energiefachmann klein. „Das Risiko, dass die Steag bei ihrem jetzigen Geschäftsmodell in die Verlustzone gelangt, ist genauso gering wie die Wahrscheinlichkeit, dass es morgen Hinkelsteine regnet.“

Er prognostizierte deutliche Gewinne auch für die EVO aus dem Steag-Kauf und sagte im Februar 2011: „Die nackten Zahlen der Steag zeigen: Das ist ein total lukratives Unternehmen, das hervorragend geführt wird - mit sehr guter Perspektive.“

Nach der Atom-Wende der schwarz-gelben Bundesregierung mit dem zügigen Ausstieg aus der heimischen Atomkraft schien es zur Renaissance der Kohlekraft zu kommen. Denn irgendwoher muss ja die verlässliche Basis für den täglichen Stromverbrauch kommen: Wind- und Solarenergie scheiden hier aus, weil Wind und Sonne nicht verlässlich genug sind. Also bleibt doch nur die Kohle?

Aber vor allem die alten Kohlekraftwerke der Steag, etliche mit schlechtem Wirkungsgrad, gerieten im Laufe dieses Jahres immer weiter unter Druck. Denn die Importkohle verteuerte sich drastisch, die CO2-Zertifikate als Ausgleich für die Verschmutzung der Umwelt durch das Treibhausgas treiben die Kosten in die Höhe.

Mit anderen Worten: Die alten Möhrchen lohnen sich nicht mehr. Deshalb überlegt Steag-Chef Joachim Rumstedt gleich vier Kohlekraftwerksblöcke auslaufen zu lassen: In Herne, Lünen sowie in Voerde. Und das würde das Aus für 400 Arbeitsplätze zusätzlich zu dem schon beschlossenen Abbau von 200 Verwaltungs- und Industriejobs bedeuten.

Indes: Die schlechten Nachrichten verdrießen den stetig optimistischen Gieske nicht. Ja, die alten Kohlekraftwerke würden zwar wohl eher vom Netz gehen als gedacht. Doch insgesamt sei die Steag auf einem guten Wege.

„Die Entwicklung trifft ja die gesamte Energiebranche, die Rohmarge wird zu Lasten der Gewinne geringer“, sagt Gieske. Die erneuerbaren Energien und das Auslandsgeschäft der Steag aber brummten. Und: „Die Politik wird einsehen, dass Steinkohle- und Braunkohle-Kraftwerke zwingend für die Grundlast erforderlich sind“. Und so erwartet Gieske gar den Neubau lukrativer neuer Kohlekraftwerke mit höherem Wirkungsgrad.

Fragt man jedoch Energiefachleute aus der Hauptstadt, wird dies bezweifelt. „Gaskraftwerke sind dezentraler und flexibler zu betreiben, sie haben zudem einen deutlich höheren Wirkungsgrad.“

Gieske bleibt bei seiner Haltung und beruhigt Bürger: „Für mich ist der Wert der Steag unvermindert hoch.“