Vier Männer kämpfen für die Stoag in Oberhausen

Graffiti auf einer Säule an der Trasse geht gar nicht.
Graffiti auf einer Säule an der Trasse geht gar nicht.
Foto: Jörg Schimmel
  • Es liegen 40 000 Bilder von Schäden vor, die sich im Laufe der Zeit ansammelten
  • Die Abteilung „Technische Infrastruktur“ verfügt über einen Topf von einer Million Euro
  • Für Graffiti-Sprayer gibt es mitterweile Dosen, die sich lautlos schütteln lassen

Oberhausen..  Einen besseren Vornamen könnte Hagen Hoffmann kaum haben. Hagen, der Heger, der Beschützer, der privat zweiter Vorsitzender des Förderkreises der Burg Vondern ist, kämpft beruflich mit drei Kollegen gegen Vandalismus, Verschleiß, Defekte. Gegen den alltäglichen Wahnsinn eben.

Der Energieanlagenelektroniker, der für die Stoag arbeitet, erzählt gemeinsam mit seinem Kollegen Dieter Karsten, einem Staatlich geprüften Elektrotechniker, über das weite Feld ihrer Aufgaben. Sie kümmern sich um die Streckeninfrastruktur, um alles, bis auf Fahrbahn, Busse und Oberleitung. Während Hoffmann und Karsten berichten, sind die beiden anderen Kollegen schon in Sachen Reparatur und Sauberkeit unterwegs.

40 000 Fotos von Schäden

Die Vier haben einen Blick auf die Stoag-Haltestellen an den Straßen. Und auf vieles mehr, was da draußen zu den Stadtwerken gehört und was täglich der Zerstörungswut von Menschen ausgesetzt ist. „Ich habe hier allein 40 000 Fotos von Schäden“, sagt Hoffmann. In den vergangenen zehn Jahren hätten sie 18 930 Schäden gezählt. „Die Leute sind erfinderisch, sie lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen“, weiß er. Die neueste Masche seien die bösen Clowns, die Fahrgäste erschrecken. Denen muss man natürlich anders beikommen als Graffiti, Aufklebern, Kaugummis oder Brandlöchern in der Decke von Wartehäuschen. Im Falle eines Falles ziehen die Stoag-Mitarbeiter Fremdfirmen hinzu, die die Schäden beheben. Die Arbeiten der Unternehmen überprüfen sie und kontrollieren, ob auch alles erledigt wurde.

Für die vier Stoag-Mitarbeiter, die sich um die „Technische Infrastruktur“ kümmern, gibt es sogar Weiterbildungen in Sachen Vandalismus, damit sie über die neuen Trends informiert sind und reagieren können. Nicht immer waren die Mittel der Zerstörer nur teuer und lästig. „Vor Jahren wurden Eddings mit Flusssäure versetzt. Die frisst sich in Scheiben“, sagt Hoffmann. Kämen Menschen mit Flusssäure in Kontakt, ende das meist tödlich.

Für Graffiti-Sprayer gebe es mittlerweile sogar Farbdosen, die beim Schütteln keine Geräusche mehr machen. Damit die jungen Sprayer nur nicht auffielen. Hoffmann erzählt, das Sprayen sei auch deshalb problematisch, weil die Farbe teuer sei. „Die Jugendlichen verkaufen oft zunächst Drogen, um sich die Farbe leisten zu können“, erzählt er.

Später lehnt Dieter Karsten zu Demonstrationszwecken an einem Wartehäuschen an der Elpenbachstraße. Die Scheiben sind geriffelt wie bei einem Kunstwerk. Es sind aber auch Einschusslöcher zu sehen. „Vor einigen Monaten wurde wieder auf rund zehn Haltestellen geschossen, da habe ich noch Projektile für die Polizei gesammelt“, sagt Hoffmann. Und Karsten löst das Rätsel, warum die Scheibe nicht in tausend Scherben zerfiel: „Wir bekleben die Scheiben jetzt mit Folie.“ Das ist so eine Maßnahme gegen Vandalismus. Denn immerhin kostet allein das Glas für eine Haltestelle 1000 Euro. „Für unseren Bereich haben wir einen Etat von einer Million Euro pro Jahr“, sagt Hoffmann. Mit diesem Geld haushalteten sie, als wenn es ihr eigenes wäre.

Dabei fahren die Vier seit Jahren eine Null-Toleranz-Strategie, wie sie der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, vormachte. Der hatte bestimmte Stadtteile sauber gemacht. Denn zu Müll käme immer neuer Müll hinzu. So ist das dann auch in Oberhausen: Jedes Graffito wird sofort entfernt, jeder Aufkleber abgekratzt. „Es ist jetzt tatsächlich besser geworden“, sagt Hoffmann. Der Effekt: An sauberen Haltestellen fühlten sich die Leute automatisch sicher.

Nur rund 60 Prozent der Haltestellenhäuschen gehören der Stoag

Manchmal drücken die Männer der Stoag auch ein Auge zu. Das war so, als ein Obdachloser einmal für wenig Tage in ein Haltestellenhäuschen gezogen war. „So richtig mit Tisch und Stuhl“, erinnert sich Hagen Hoffmann. Nach kurzer Zeit war der Mann dann plötzlich wieder weg.

Übrigens gehören nur rund 60 Prozent der Wartehallen der Stoag. Die restlichen 40 Prozent befinden sich im Besitz der Ströer Deutsche Städte Medien (DSM), einem Anbieter von Außen- und Plakatwerbung. Auch Schäden an den Ströer-Haltestellen melden die Stoag-Mitarbeiter direkt an den Dienstleister.

Zu Beginn der kalten Jahreszeit kontrollieren die Stoag-Männer jetzt besonders das Licht in den Wartehäuschen. Alles in allem fallen unter ihren Kontroll-Job 170 Anlagenteile. „Nur um die Fahrscheinautomaten kümmern wir uns nicht mehr“, sagt Hagen Hoffmann.

Das Team ist auch für die 11,5 Kilometer Trasse mit noch einmal 14 Haltestellen zuständig. Sind dort Arbeiten angeordnet, überlegen sie, ob Sicherungsposten nötig sind.

Die Vier wachen auch über die Kundencenter, die Klimaanlagen dort, die Unterwerke, aus denen der Strom für die Fahrzeuge gezogen wird, die WC-Anlagen der Busfahrer, Grünanlagen, Videoüberwachung, ja sogar über die Massage-Sessel, die jetzt für die Fahrer angeschafft wurden. Und bei Linien-Änderungen stellen sie die Umleitungsschilder auf.

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