Videospiele-Fans in Oberhausen reisen bei der Retrobörse in die Urzeit des Daddelns

Ein Fest für die Zockergemeinde: Die 11. Retro-Börse für klassische Computerspiele im Zentrum Altenberg in Oberhausen war sehr gut besucht.
Ein Fest für die Zockergemeinde: Die 11. Retro-Börse für klassische Computerspiele im Zentrum Altenberg in Oberhausen war sehr gut besucht.
Foto: WAZ FotoPool
Spielefans drängen sich am Samstag um Spiele, Computer, Heimkonsolen, Magazine, Werbeaufsteller und sonstige Fanartikel: Bei der 11. Retrobörse für klassische Computerspiele herrscht im Zentrum Altenberg großer Andrang. Knarzender Ton und Pixel-Grafik. Ein Ausflug ins frühere Kinderzimmer.

Oberhausen. Schon nach den ersten Schritten in die Hallen des Zentrums Altenberg liegt eine Vermutung nahe: Bei denen piepts wohl! Dies ist bei der 11. Retrobörse für klassische Videospiele keine üble Gemeinheit. Denn hier piept es wirklich. Und zwar an jeder Ecke der mehr als 100 Tische auf dem 800 Quadratmeter großen Areal. Sie können nicht anders. Es ist eine Reise in die Urzeit des Daddelns.

Händler als Super-Mario verkleidet

„Am Anfang wurde die Luft in den hinteren Winkeln der Halle schon etwas dünn“, weiß man am Eingang zu berichten. Um Punkt 11 Uhr drängen sich am Samstag die Fans um die Spiele, Computer, Heimkonsolen, Magazine, Werbeaufsteller und sonstige Fanartikel. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Hauptsache, es hat mit der Daddelei zu tun - und: Es muss ich sich um einen Klassiker handeln.

Protz-Grafiken haben keine Chance. Komplexe Neuheiten finden hier nicht den Weg in die Auslagen und Schrabbel-Kisten.

Warum genau stehen die Fans sogar Schlange, um eine Börse für technisch längst überholte Spiele zu besuchen? „Der Minimalismus macht den Reiz aus“, erklärt Holger Brink seinen Besuch. „Damals hat man mit einfachsten Mitteln kleine Kunstwerke geschaffen.“ Mit Knattersound, flacher Grafik, oft ohne Farbe. Dafür reist Brink (31) aus dem 230 Kilometer entfernten Kassel an. Im Schlepptau ist Freundin Nadine (30), die fernab des überholten Klischees der Frauen-freien Zockerwelt, ebenfalls den Staub-Spielen etwas abgewinnen kann. Sie sagt: „Auf diesen Börsen taucht man herrlich in die Kindheit ein.“ So findet sich auf den Tischen der Gameboy von damals genauso wieder, wie die Brotdose namens „Commodore C64“.

Super-Nintendo-Spiele sehr begehrt

Zwischen 1982 und 1994 baute der Hersteller diesen urzeitlichen Heimcomputer, der seine Fangemeinde auch 30 Jahre später in seinen Bann zieht. Bis zu stolze 1500 DM mussten Computer Kids damals für Floppy, Tastatur und Netzteil auf den Tisch legen. Heute gibt es manche Modelle schon für Taschengeld-taugliche 80 Euro.

Das alles klingt nach einer ziemlichen Schnäppchenjagd, vor allem, weil die Retro-Zielgruppe längst dem Taschengeld-Alter entwachsen ist und in Lohn und Brot auch größere Investitionen tätigen könnte. Und tatsächlich: Eine dicke Geldbörse ist manchmal nötig. Jens Klöpfel ist einer der Veranstalter des Nostalgie-Treffens und weiß, was in diesem Jahr besonders angesagt ist. „Vor allem Artikel rund um die Konsole Super Nintendo werden verkauft.“

Super Mario ist derartig beliebt, dass sich manche Händler im Zentrum Altenberg sogar den Kunstbart ankleben und mit roter Mütze und einer Latzhose wie der Kult-Klempner verkleiden. Ein Hingucker!

Die Super-Nintendo-Konsole (Baujahr 1992) gibt es für 50 Euro. Bei den Spielen machen Zocker-Laien große Augen. So muss es kein Sammlergeheimnis bleiben, warum das graue Modul „Asterix“ schon ab 5,99 Euro zu haben ist, während „Starwing“ stolze 280 Euro auf dem Preisschild stehen hat. Es zählt: Seltenheitswert.

Radiosender für Videospiel-Musik

Es ist eine Zeitreise ins Kinderzimmer. Die Fans backen Videospielkekse. Sie kaufen Eiswürfelbehälter in Form der Aliens aus „Space Invaders“, Pac-Man-Tassen und Donkey-Kong-Schlüsselanhänger. Aus den Tüten ragen Street-Fighter-Figuren und manch alter „Sega Megadrive“ wird noch in den Hallen ausprobiert. Und das Piepen? Es piept die knarzende Videospiel-Musik aus den Boxen. Mit „Radio Paralax“ gibt es sogar einen eigenen Internet-Radiosender dafür.

Die Ausstellung „Zehn Konsolen, die du noch nie gespielt hast“ zeigt echte Schätze, wie Apples und Bandais Megaflop „Pippin“ oder Nintendos Urkonsole „Block Kuzushi“, die es 1979 nur in Japan gab. Ankauf? Nicht möglich!

Manche Erinnerungen bleiben bei der Retrobörse unbezahlbar.

 
 

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