Victoria Behr vom Theater Oberhausen ist Kostümbildnerin des Jahres

Victoria Behr vom Theater Oberhausen: Sie wurde zur Theater-Kostümbildnerin des Jahres gewählt. Foto: Tom Thöne
Victoria Behr vom Theater Oberhausen: Sie wurde zur Theater-Kostümbildnerin des Jahres gewählt. Foto: Tom Thöne
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Beinahe unauffällig und ein bisschen aufgeregt wirkt Victoria Behr zwischen den von ihr entworfenen Perücken. In zarten Pastelltönen schimmern die pompösen Frisuren im Rokoko-Stil.Als die 32-Jährige ihre „Figurinen“, die gezeichneten Entwürfe für das Stück „Emilia Galotti“ in den Händen hält, wird sie sicherer.„Ich mag es gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen.“ Doch genau das tut sie zur Zeit in Theaterkreisen.

Victoria Behr wurde gerade zur Kostümbildnerin des Jahres gekürt. Mit ihren fulminanten Kostümen fiel sie den Theaterkritikern in einer Umfrage der Zeitschrift „Theater heute“ besonders positiv auf. Mit dem Stück „Nora“ feierten sie und das gesamte Team um Regisseur Herbert Fritsch große Erfolge, waren damit sogar zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Früh für Mode interessiert

Über die Auszeichnung „Kostümbildnerin des Jahres“ freut sich die 32-jährige Koblenzerin aber trotz ihres Unwillens, im Rampenlicht zu stehen. „Ich finde es in erster Linie toll, dass die Kritiker auch auf die Kostüme achten. Es ist eine große Ehre und ich freue mich, dass die Arbeit wahrgenommen wird, die hinter diesen Kostümen steckt.“ Behr ist es wichtig, dass hier nicht nur ihr Engagement, sondern auch das der Umsetzenden gemeint ist. „Ich gehe mit meinen Entwürfen zu den Gewandmeistern und der Maske, wir suchen die Stoffe aus, aber dann haben die auch die Freiheit, meine Pläne umzusetzen und mitzugestalten. Das ist auch für mich selber immer wieder besonders spannend.“

Schon als Kind interessierte sich Behr für Mode, wollte erst Designerin werden. Bei einem Jugendtheater in Koblenz lernte sie die Arbeit der Kostümbildner kennen. „Da war es für mich klar: Das will ich machen.“ An der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg studierte sie Kostümbild und arbeitet seitdem in dem Beruf. „Als Kostümbildnerin ist man meist nicht frei unterwegs, sondern arbeitet mit bestimmten Regisseuren zusammen.“ Mit Herbert Fritsch arbeitete sie in Oberhausen bereits an vier Produktionen.

„Ich suche nach dem Bruch, dem Artifiziellen"

Der künstlerische Anspruch, den Behr dabei auch an sich selbst stellt, ist deutlich. „Ich suche nach dem Bruch, dem Artifiziellen. Ich will Geschichten nicht eins zu eins umsetzen. Die Schauspieler sollen puppenartig werden.“ So sind auch die Perücken der Figuren für „Emilia Galotti“, das ab dem 23. September im Theater Oberhausen gezeigt wird, zu erklären. Das Stück von Lessing spielt in der Zeit des Rokoko, die Frisuren passen, sind aber durch die Farbenpracht noch überhöht. „Es ist beinahe merkwürdig, wenn die Zeichnungen zu leben beginnen. Aber es ist so toll zu sehen, wie die Schauspieler mit den Kleidern und Kostümen ‘spielen’.“

Auf die Inszenierung der „Emilia Galotti“ ist Victoria Behr gespannt. Denn auch wenn sie selbst nicht im Scheinwerferlicht vor Publikum steht, so ist auf der Bühne doch viel von ihr zu sehen.

 
 

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