Verkauf der Möbelstadt Rück in Oberhausen soll keine Arbeitsplätze kosten

Die Möbestadt Rück wurde an den XXXL-Lutz verkauft - wenn das Kartellamt dem zustimmt. Damit sollen der Standort und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Die Möbestadt Rück wurde an den XXXL-Lutz verkauft - wenn das Kartellamt dem zustimmt. Damit sollen der Standort und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verkauf der Möbelstadt Rück in Oberhausen sorgte für Überraschung. Die Mitarbeiter müssen allerdings nicht um ihre Stellen bangen, denn der Verkauf an das Möbelhaus Lutz sichert ihre Arbeitsplätze und soll den Standort bewahren. Das Eigentümerpaar war an einer langfristigen Lösung interessiert.

Oberhausen. Überrascht reagierten Vertreter der Politik, des Einzelhandels und City-Managements auf den Verkauf der Möbelstadt Rück an den Möbelriesen Mann Mobilia GmbH. „Damit habe ich nicht gerechnet,“ sagt City-Manager Franz Muckel, „Rück war immer ein starker Partner für uns in der City. Ich hoffe, dass das so bleibt, dass der Standort langfristig gesichert wird und die Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze behalten.“

Gerade die langfristige Sicherung des Standortes und der Erhalt der Arbeitsplätze habe das Eigentümerpaar Kröger-Rück bewogen, dem Verkauf der Möbelhäuser Rück (Oberhausen) und Kröger (Essen) an die Mann GmbH, genauer gesagt, an das XXXL-Möbelhaus Lutz, zuzustimmen. Das sagt Rück-Pressesprecher Peter Schuck. Am gestrigen Mittwoch haben Ute Kröger-Rück und Franz Josef Kröger die Belegschaft informiert. Schuck räumt ein: „Im ersten Moment waren die Mitarbeiter schon perplex.“

Kempken nun in der XXXL-Führung

Hintergrund des Verkaufs sei die Frage der Nachfolge gewesen, so Schuck: „Franz Josef Kröger wird im Juni 81 Jahre alt. Ihm und seiner Frau war es wichtig, eine langfristige Lösung zu finden.“ Der neue Eigentümer habe seiner Ankündigung, das bisherige Management bleibe im Amt, gestern Taten folgen lassen: „Unser bisheriger Hausleiter Werner Kempken wurde gestern in die Geschäftsführung von XXXL Lutz berufen. Damit ist ein Vertreter von Rück künftig ganz nah am Geschehen.“ Insofern sehe er die Zukunft des Oberhausener Traditionshauses nicht gefährdet. Neuerungen seien aber erst zu erwarten, wenn das Kartellamt dem Verkauf zustimmt.

Kritisch betrachtet Gerd Lepges, Vorsitzender des Oberhausener Einzelhandelsverbandes, den Verkauf. Das zeige, dass es für Familien-geführte Unternehmen im Einzelhandel immer schwieriger werde. Die Übernahme des Traditionsunternehmens berge Risiken: „Wenn ein Riese der Branche in Schieflage gerät, hängen da gleich immense Probleme dran. Das hat man bei großen Pleiten der letzten Jahre wie bei Karstadt gesehen.“

Etwas Positives kann Lepges der Übernahme aber auch abgewinnen: „Der traditionsreiche Name Rück bleibt erhalten.“ Jutta Kruft-Lohrengel, Chefin des Familienbetriebes BMW Kruft und Präsidentin der IHK Essen, Mülheim, Oberhausen: „Ich finde Inhaber-geführte Betriebe für die Struktur des Einzelhandels einer Stadt besser. Die machen auch den Charme einer Stadt aus.“

Kunden reagierten verblüfft

Verblüfft reagierten Kunden vor Ort. „Rück wird übernommen?“ Viele der Kunden, die am Mittwoch die Möbelstadt besuchen, konnten mit der Möbelkette „XXXL“ wenig anfangen. „Macht dafür nicht diese Schauspielerin Werbung?“, rätselt eine Mülheimerin, die nur „zwei, drei Mal im Jahr“ zu Rück fährt. Manche kritische Stimme jedoch fragt: „Welche Auswirkungen hat das? Meistens werden bei einer Übernahme Arbeitsplätze abgebaut...“

Keine Überraschung ist die Entwicklung für Frank Jankuhn, Chef der Firma Unipolster in Oberhausen: „Der Möbelmarkt macht das durch, was die Elektronik-Branche schon hinter sich hat: Verdichtung.“ Noch gebe es etliche Familien-geführten Möbelhäuser, viele Eigentümer seien jedoch im Rentenalter.

Zudem erschwere die Genehmigungspraxis für Neubauten eine Expansion: „Man wartet bis zu zehn Jahre. Wir sind seit zwei bis vier Jahren an weiteren Standorten dran.“ Wer also expandieren wolle, müsse bestehende Betriebe kaufen. Er geht davon aus, dass der (Rück-)Standort Oberhausen sicher sei. Das ebenfalls Familien-geführte Unternehmen Unipolster plane derzeit nicht, sich einer Kette anzuschließen.

 
 

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